Weltenwanderin
Frau Signeyrole, lieben Sie Camus?
Natürlich liebe ich ihn! Meine Mutter stammt – wie er – aus Algerien. Und sie hat ihre Abschlussarbeit in Literatur über Camus geschrieben. Auch ich kenne seine Bücher sehr gut, und schon als Jugendliche habe ich über Herkunft und Erinnerung nachgedacht, Themen, die Albert Camus ein Leben lang faszinierten – was auch ein Grund dafür ist, dass ich das Stück «Negar» gemeinsam mit Sonia Hossein-Pour geschrieben und an der Deutschen Oper Berlin inszeniert habe, worin es ebenfalls um diese beiden Topoi geht.
Sind Sie eine zerrissene Person?
Vermutlich schon. Meine ganze Kindheit ist mit Algerien verbunden: die Art zu leben, «dazwischen» zu sein, im tiefsten Innern nicht französisch zu fühlen, aber jemand zu sein, der in dieser Welt lebt, mit verschiedensten Kulturen und musikalischen Welten. Ich bin wohl am ehesten ein Citoyen du monde. «Negar» ist Teil dieser Identität und ein bisschen auch meine Geschichte. Aber warum fragen Sie nach Camus?
Vor gut 80 Jahren sind zwei seiner wichtigsten Bücher erschienen – «L’Étranger» und «Le Mythe de Sisyphe». Im erstgenannten Werk beschreibt Camus, was mit einem Menschen passiert, der in eine ihm fremde Welt ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Interview, Seite 48
von Jürgen Otten
Damit sie einst besser wissen würden, aus welchen Vergangenheiten sie stammten», hat Frank Schneider diese Erinnerungen für Kinder und Enkel aufgeschrieben – und im Erzählen über 500 Seiten eine Intonation durchgehalten, von der sich eine gewisse Wahrheitsgarantie nicht trennen lässt. Das sei vorweg gesagt, weil jede Autobiografie ein verfängliches Genre, ein in...
Frau Rutigliano und Frau Mendrala, wo sind Sie und Ihre Kinder gerade?
Julia Rutigliano: Ich probe gerade in Schwerin. Mein Sohn ist bei meiner Mutter in München.
Annika Mendrala: Auf dem Weg nach Bern, da leite ich den Studiengang CAS Singstimme. Dann sind gleich wieder Proben für ein Konzert in Hamburg, wo ich auch lebe. Die Kinder sind bei meinem Mann und den...
Als die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg darangingen, eine demokratische Verfassung zu erstellen, galt ihr Augenmerk vor allem drei Entitäten: einmal der Würde des Menschen (und den damit verbundenen Menschenrechten), der Gleichberechtigung und schließlich der Freiheit in all ihren Facetten. Auch für den Bereich der Kunst...
