Zwischen Himmel und Hölle

Perlen der französischen Barockoper: Leclairs «Scylla & Glaucus», Rameaus «Zoroastre», Boimortiers «Don Quichotte»

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Die französische Barockoper ist außerhalb Frankreichs noch immer ein seltener Gast auf den modernen Bühnen. In Deutschland macht sie sich besonders rar. Einzig Rameaus bösartige Farce von der hässlichen Sumpfnymphe Platée und ihrer geplatzten Hochzeit mit dem Göttervater Jupiter hat es zu größerer Bekanntheit gebracht. Ein ganzes Jahrhundert zwischen Lullys und Quinaults Erfindung der Tragédie en musique mit «Cadmus et Hermione» 1673 und Glucks erstem Auftreten an der Pariser Opéra 1774 versinkt im Strudel der Geschichte.

Die französische Seria ist eine Fusion aus Musik und Szene, die Gesang, Chor, Orchester, Tanz, Spiel, Kostüme, Dekorationen und Maschinenwesen zu einem theatralen Gesamtkunstwerk vereint. Wer es in allen seinen Formen und Spielarten kennenlernen will, ist auf Medien angewiesen. Waren es zu Beginn angelsächsische Dirigenten wie William Christie und John Eliot Gardiner, die sich hervortaten, so engagieren sich inzwischen die Franzosen selbst für die Schätze ihrer Vergangenheit – an der Spitze das Centre de musique baroque de Versailles. 

Dessen jüngste Entdeckung, «Scylla et Glaucus» von Jean-Marie Leclair, 1746 uraufgeführt, ist das einzige Bühnenwerk des ...

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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 22
von Uwe Schweikert

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