Molto vivace
Cottbus hat eines der schönsten Theaterhäuser Deutschlands, den 1908 von Bernhard Sehring errichteten, unversehrt gebliebenen Jugendstilbau. In dem Vierspartenhaus wird inhaltlich und ästhetisch Vielschichtiges, zuweilen Bedeutsames auf die Beine gestellt. Dabei erinnert Intendant Stephan Märki sein Publikum gerne daran, «wie brüchig unser Leben ist».
Solcher Einsicht eingedenk präsentierte das Staatstheater schon in der vergangenen Saison «L’Orfeo» als «modernen Mythos frei nach Monteverdis Oper» – ein gewagter (nun wiederaufgenommener) Versuch des Komponisten Michael Wilhelmi und der Regisseurin Claudia Meyer, der stummen Orpheus-Gespielin Eurydike mit Texten Elfriede Jelineks eine stärkere Präsenz zu verleihen.
Auch für Puccinis «La Bohème» findet Meyer einen ungewohnten Zugang. Gezeigt wird nicht die tragische Pariser Dachgeschossromanze; Ort der verwirrenden Liebesgeschichte ist ein kleiner (armer) Zirkus mit dem Dichter Rodolfo im Zentrum, seinen derangierten Künstlerfreunden und einem bunten Völkchen auf nachtschwarzer Bühne – hier eine Art Manege, die sich zuweilen dreht und wo junge Leute von heute (Kostüme: Regine Standfuss) eine gleichermaßen traurige wie übermütige ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Wolfgang Schreiber
Am 6. November 2022 war die Premiere von «Die Meistersinger von Nürnberg» an der Oper Frankfurt. Die Story: Nürnberg, 16. Jahrhundert. Am Johannisfest findet der alljährliche Gesangswettbewerb statt. Goldschmied Veit Pogner schreibt die Hand seiner Tochter Eva als ersten Preis für den Gewinner aus. Der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser hat schon länger ein Auge auf...
Die christliche Historiografie ist voll von Märtyrergeschichten, von Geschichten, in denen Menschen im Glauben daran, Gott oder göttliche Gnade möge ihnen Erlösung gewähren, den Tod wählen. Eine von ihnen ist, laut einer Heiligenlegende, die Patrizierin Theodora, die Ende des 3. Jahrhunderts in Antiochia, dem heutigen (in der Türkei gelegenen) Antakya, unter...
Diese Oper gehört allen.» So deutlich und unverblümt sagt es Myung-Whun Chung in seiner kurzen Begrüßungsrede, zu der ihn der Bürgermeister Venedigs in die prächtig dekorierten Sale Apollinee gebeten hat. Der koreanische Dirigent kommt geradewegs von der erfolgreichen «Falstaff»-Premiere, mit der die neue Saison am Teatro La Fenice eröffnet worden ist. Wie so viele...
