Kein Licht, nirgends
Die Landschaft, die Seelen – beide gleichermaßen verrottet und im Absterben, nur dürftig übertüncht mit buntfleckigen Erinnerungen einer vorgeblich besseren Vergangenheit: Lorenzo Fioronis Leipziger «Pique Dame»-Inszenierung entwirft eine böse Dystopie, in der nicht einmal mehr die stramm gedrillten Kinderscharen Anlass zur Hoffnung geben. Der Blick des Schweizer Regisseurs auf Tschaikowskys vorletzte Oper ist dabei viel eher atmosphärisch als soziologisch bestimmt, was dank seines prächtig kooperierenden Ausstattungsteams ein hohes Potenzial an Suggestionskraft verbürgt.
Katharina Gault hat Kostümzitate mehrerer Epochen und ziemlich viele, oft auch dissonierende Farbkreise in einer großen Collage zusammengeschnitten. Es entsteht eine Art kribbelnde Orientierungslosigkeit, wie sie einem ebenso – ins abgründig Düstere gewendet – aus Sebastian Hannaks Bühnenbildern (von Sebastian Alphons stimmungsvertiefend ausgeleuchtet) entgegentritt: braunschwarze, manchmal aschig überhauchte Lavafluten, in Unfruchtbarkeit erstarrt wie die in ihnen wurzelnden, nicht mehr tragenden und höchsten noch als Ersatz-Grabkreuze taugenden Weinstöcke. Manchmal verschieben sich ihre Schichtungen ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Gerald Felber
Die Geschichte ist nicht ganz neu: Eine Frau liebt einen Mann, und der liebt sie. Das Problem: Ihr Vater hat einen anderen für sie ausgesucht. Was die Angelegenheit ins Katastrophische weitet, ist die Tatsache, dass der von der Tochter Erwählte vom Vater zusätzlich zum Feind erklärt wird. Etliche Opern gerade italienischer Provinienz bis weit ins 19. Jahrhundert...
Es war ein Ritterschlag. Franz Lehár, der von Zeitgenossen wie Karl Kraus oder Richard Strauss Geschmähte, durfte am 20. Jänner 1934 seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper landen, dem musikalischen Musentempel schlechthin der alten k. u. k. Monarchie. Nicht Oper, nicht Operette: «Musikalische Komödie» hat der damals bald 64-Jährige sein letztes Bühnenwerk...
Antonio Vivaldis anno 1735 im Teatro San Samuele uraufgeführte «Griselda», sein einziges Bühnenwerk für Venedig, gehört trotz regelmäßiger Produktionen nicht zu den Spitzentiteln des Barockbooms. Aus woker und auch aus gelassenerer Perspektive auf patriarchale Sinnkonstrukte ist das Sujet dieser Opera seria nur äußerst schwer erträglich. Nun gelangte sie mit dem...
