Weiche, Wotan, weiche!
Die Rezeptionswege des Wagner’schen Œuvres sind verschlungen. Und führen zuweilen sogar in die Welt der Trivialkultur. Das bunte, manchmal schrille Universum der im Marvel-Verlag beheimateten Superhelden-Comics verdankt den durch Wagner gewandelten Mythen einiges. «Die fantastischen Vier», «Iron Man», ganz zu schweigen von dem auf den Donnergott zurückgehenden «Thor» – es ist, als seien die Heldensagen Wagners, seine Vision von der Welt, die der Erlösung harrt, in dieses schillernd gezeichnete Reich der unterhaltsamen, bisweilen laut orchestrierten Alltagskultur entglitten.
Und es scheint an der Zeit, Wagner und vor allem sein Konzept von Glanz und Elend, vom scheiternden Triumph des Heldischen selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung im Medium der so genannten Graphic Novels zu machen.
Der auf Opernadaptionen spezialisierte amerikanische Comiczeichner P. Craig Russell ist da der richtige Mann. Früher hat auch er für den Marvel-Verlag gearbeitet und Neil Gaimans nachtschattigen, der schwarzen Romantik entsprungenen «Sandman» fortgezeichnet – in dieser Serie hallt noch Wagners Lieblingsdichter E.T.A. Hoffmann nach. Nun hat sich Russell Wagners «Ring» vorgenommen. Er hält sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 38
von Bernd Künzig
Brav haben wir es im («damals» noch real existierenden) Musikunterricht beziehungsweise danach während des Musikstudiums, auch in dieser der Aufführungshäufigkeitswirklichkeit abgeschauten Opernrealität gelernt: Die «Big Five» der italienischen Operngeschichte heißen Verdi, Puccini, Rossini, Bellini und (mit Bellini vielleicht auf einer quantitativen Ebene) jener...
Es war ein nahezu genialer Schachzug des Countertenors, Regisseurs und Musikmanagers Max Emanuel Cenčić, das Branding «Bayreuth» und zugleich das von den Wagner-Festspielen kaum beanspruchte Markgräfliche Opernhaus für sein Festival «Bayreuth Baroque» zu nutzen. Erstmals im September 2020 den Covid-Wirrungen zum Trotz durchgezogen, war es von Beginn ein Erfolg. Im...
In seiner dem Libretto zugrunde liegenden Schauspielversion des antiken Stoffs hat Hugo von Hofmannsthal die Gestalt der Sophokleischen Elektra in eine moderne, vom Geist der nervösen Unrast des Fin de Siècle geprägte Figur verwandelt. Das Nietzsche und Freud zusammenzwingende Psychodrama zeigt sie als traumatisierte, von einem einzigen Wunsch besessene Frau: den...
