Weiche, Wotan, weiche!
Die Rezeptionswege des Wagner’schen Œuvres sind verschlungen. Und führen zuweilen sogar in die Welt der Trivialkultur. Das bunte, manchmal schrille Universum der im Marvel-Verlag beheimateten Superhelden-Comics verdankt den durch Wagner gewandelten Mythen einiges. «Die fantastischen Vier», «Iron Man», ganz zu schweigen von dem auf den Donnergott zurückgehenden «Thor» – es ist, als seien die Heldensagen Wagners, seine Vision von der Welt, die der Erlösung harrt, in dieses schillernd gezeichnete Reich der unterhaltsamen, bisweilen laut orchestrierten Alltagskultur entglitten.
Und es scheint an der Zeit, Wagner und vor allem sein Konzept von Glanz und Elend, vom scheiternden Triumph des Heldischen selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung im Medium der so genannten Graphic Novels zu machen.
Der auf Opernadaptionen spezialisierte amerikanische Comiczeichner P. Craig Russell ist da der richtige Mann. Früher hat auch er für den Marvel-Verlag gearbeitet und Neil Gaimans nachtschattigen, der schwarzen Romantik entsprungenen «Sandman» fortgezeichnet – in dieser Serie hallt noch Wagners Lieblingsdichter E.T.A. Hoffmann nach. Nun hat sich Russell Wagners «Ring» vorgenommen. Er hält sich ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 38
von Bernd Künzig
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