Ganz schön raffiniert

Christophe Rousset mit Lullys Tragédie lyrique «Acis et Galatée» und Couperins Liedern von Liebe und Trank

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Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal kleinere Brötchen backen beziehungsweise entschlackte Opern schaffen musste.

Als ihn der Duc de Vendôme, mit dem er auch intimere Erfahrungen teilte, einlud, eine Oper für einen Besuch des Dauphin im Herbst 1686 zu komponieren, schuf er «Acis et Galatée» – und widmete die Pastorale héroïque demonstrativ dem Sonnenkönig. Der Umstand, dass Lully nur ein halbes Jahr später starb, ließ sie zu seiner letzten vollendeten Oper werden. Bis heute durch die bekanntere(n) Version(en) des gleichen Stoffs von Georg Friedrich Händel verdrängt, liegt sie (soweit dem Rezensenten bekannt) bislang nur in einer Einspielung von Marc Minkowski aus den 1990er-Jahren vor. Les Talens Lyriques und ihr Gründer Christophe Rousset füllen mit ihrer Neueinspielung nun also durchaus eine Lücke. Denn dass Lully, der sich seit 1673 fast ausschließlich der Tr ...

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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Michael Stallknecht

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