Was uns die Liebe erzählt

Jodie Devos singt, von Nicolas Krüger vorzüglich begleitet, mit großer Intensität Lieder von englischen, französischen und belgischen Komponisten des 20. Jahrhunderts

Der Dichter spricht: «Come to me in my dreams, and then by day I shall be well again, for then the night will more than pay the hopeless longings of the day.» Mit diesen so zärtlichen wie erschütternden Versen suchte Matthew Arnold (1822–1888) all jenen Menschen, die das Liebste verloren haben, zur Seite zu stehen, sie zu trösten mit der Idee, dass der Abschied nicht endgültig und der geliebte Mensch womöglich existent und fähig sei, in Träumen zu erscheinen, um Kraft zu spenden.

Benjamin Brittens Lehrer Frank Bridge vertonte das Gedicht überaus einfühlsam, und genau so singt es Jodie Devos: wunderbar innig und sensibel.

Das Lied gibt den Tonfall vor für ihr neues Album «And Love Said …», das so grundverschieden ist von ihrer Debüt-CD mit Musik Offenbachs. War diese der vokalen Pyrotechnik gewidmet und gleichfalls der humorvollen Leichtigkeit, so geht die junge Belgierin nun nach innen, findet den rechten, ergreifenden Ton für diese ausdrucksreichen, manchmal hoffnungsvollen, indes oft melancholischen und angesichts einer scheinbaren Unveränderlichkeit bitter-trotzigen Lieder. Wobei Devos nicht rührt, sondern berührt, also sich nicht mit dem Lyrischen Ich direkt identifiziert, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Idiomatisch

Die meisten Opern handeln bekanntlich von der Liebe. In Benjamin Brittens «A Midsummer Night’s Dream» jedoch ist diese Liebe verzerrt, in Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» sogar sadomasochistischer Natur. Wie auch immer: Die Rückkehr zu Live-Aufführungen in Australien – beim Adelaide Festival und am Opernhaus von Sidney – geriet zu einer hochgradig...

Westöstliches Licht

Fatma Said hat es mit ihrer ersten Solo-CD «El Nour» – arabisch für «Das Licht» – auf Anhieb in die Klassik-Charts geschafft. Den Erfolg verdankt die junge, aus Ägypten stammende, aber seit zehn Jahren in Deutschland lebende Sopranistin gleichermaßen ihrer künstlerischen Ausstrahlung wie dem west-östlichen Crossover, das programmatisch eine Brücke zwischen Europa...

Klein, aber oho!

Angefangen hat es mit einem Schauspieler und mit «Blaubart». Nein, nicht dem berühmten von Bartók, sondern dem zu Unrecht vernachlässigten aus Offenbachs Feder. Michael Quast hatte ihn für sich selbst und einen Pianisten bearbeitet, und er beeindruckte damit nicht nur Publikum und Presse, sondern auch die Frau, «die alles kann, außer langweilen» – so die...