Was ist das Deutsche an der deutschen Musik?
Rexroth: Ich möchte mit einer Frage an Gerd Albrecht beginnen. Sie sind viel in der Welt herumgekommen, unter anderem haben Sie lange in Japan gearbeitet und waren von 1993 bis 1996 Chef der Tschechischen Philharmonie in Prag. Sind Sie im Ausland als deutscher Dirigent in einer führenden Position wahrgenommen worden, haben Sie sich als deutscher Künstler empfunden?
Albrecht: Meine Antwort klingt ein bisschen wie Radio Eriwan.
Lange bevor ich Chefdirigent in Tokio wurde, habe ich mal beim Orchester des japanischen Fernsehkonzerns NHK gastiert, mit Mahler, Schubert, Mozart und Beethoven. Ich konnte kein Japanisch, und mein Englisch war so la la. Deshalb habe ich während der Proben oft vorgesungen, was ich wollte. Plötzlich sagte der Konzertmeister: Don’t sing! Das hat er so zwei-, dreimal gemacht. Und dann habe ich gesagt: Shut up! Nach dem ersten Konzert gab es ein Fernsehinterview, ich habe geredet, Gerhard Oppitz, der Solist, hat etwas gesagt, und auch der Konzertmeister – auf Japanisch. Wir verstanden kein Wort. Hinterher hat uns die Frau von Oppitz, eine Japanerin, erzählt, was der Konzertmeister gesagt hatte: Also, dieser Maestro ist ein guter Dirigent, aber deutsch ist er auf ...
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Aufeinander hören
Henja Semmler (Violine)
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