Was die Welt der Oper im Innersten zusammenhält
Herr Schreiber, Sie haben die Arbeit an Ihrem «Opernführer für Fortgeschrittene», die im Sommer mit der Fertigstellung des fünften Bandes zum Abschluss gekommen ist, vor einem Vierteljahrhundert aufgenommen. Was hat Sie ursprünglich auf die Idee gebracht, sich ein solches Mammutprojekt vorzunehmen?
Die Idee kam 1980 von der Büchergilde Gutenberg. Deren Cheflektor gefiel mein Schallplattenführer «Klassik-Auslese», der in den 1970er Jahren in drei Auflagen erschienen war. Ihm schwebte etwas Vergleichbares für das Genre Oper vor.
Mich reizte die Zusammenarbeit mit der Büchergilde, die 1924 in Leipzig von gewerkschaftlich organisierten Buchdruckern gegründet worden war mit dem Ziel, gut gestaltete und inhaltlich anspruchsvolle Bücher zu niedrigem Preis zu verbreiten. Das war komplementär zu designorientierten Initiativen wie dem Deutschen Werkbund oder dem Bauhaus ein Versuch, progressiv volksbildnerisch zu wirken. Da ließ ich mich schnell überzeugen, in diesem Rahmen als Originalausgabe einen Opernführer zu schreiben, der sich von dem konservativen Typus dieses marktgängigen Genres unterscheiden sollte.
Nun ist die Büchergilde Gutenberg kein normaler Verlag, erst recht kein ...
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Schumann gilt, wie Brahms, als der undramatische Komponist schlechthin, als Meister der lyrischen Kleinform, dessen Begabung sich in der Klaviermusik und im Lied erschöpft. Schumann selbst empfand es, wie er 1842 an Carl Koßmaly schrieb, anders: «Wissen Sie mein Morgen- und abendliches Künstlergebet? Deutsche Oper heißt es. Da ist zu wirken.»
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