Erinnern und Vergessen Im Raum der Klänge
Gedanken
Warum Musiktheater? Warum überhaupt komponieren? Immer wieder stellt sich mir diese Frage, wenn ich sprachlich auf Musik zugehe, auf ihre Geschichte und Gegenwart, ihre Rezeption und institutionellen Bedingungen. Und zugespitzt begegnet sie einem, wenn das Sujet selbst auf Sprache gründet, sie erzeugt und von ihr umgeben ist, wie es im Musiktheater der Fall ist. Auch ungeschriebene Opern sind bereits voll von Geschichten.
Doch das Komponieren will sich nicht in Worten begründen, selbst wenn sie die musikalische Idee kanalisieren und mit ihr verwoben bleiben.
Es ist dem Komponieren wesentlich, Sprache zu vergessen, indem eine Wahrnehmung umschlägt in eine musikalische Imagination. So will Musiktheater weder einen Text übersetzen noch erklären, sondern klingend einer Neugierde auf den Grund gehen, die sich auf der Schwelle zwischen außer- und innermusikalischer Wahrnehmung entzündet.
Das Ineinandergreifen von Raum- und Zeitwahrnehmung im Rahmen einer Handlung, die beide Ebenen untrennbar mit ihrem Inhalt zusammenführt – das mag ein zentrales Motiv gewesen sein, warum der Stoff der «Odyssee» mich nicht mehr losgelassen hat und ich dieser Faszination schließlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Schreiber, Sie haben die Arbeit an Ihrem «Opernführer für Fortgeschrittene», die im Sommer mit der Fertigstellung des fünften Bandes zum Abschluss gekommen ist, vor einem Vierteljahrhundert aufgenommen. Was hat Sie ursprünglich auf die Idee gebracht, sich ein solches Mammutprojekt vorzunehmen?
Die Idee kam 1980 von der Büchergilde Gutenberg. Deren Cheflektor...
Der Dialog findet sich bei Peter Handke, in dem Drama «Die Unvernünftigen sterben aus», 1973 geschrieben, unverständlicherweise nicht gerade häufig gespielt. Wunderbare Sprache, als Metapher über den Zustand der bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaft nahezu unübertroffen. Ein Gespräch zwischen dem zynischen Unternehmer Hermann Quitt und seiner Freundin Paula...
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
