Warum ich singe

Enthaupten oder Erdolchen: Zwischen diesen beiden Bühnen­toden bewegte sich für Diana Damrau das Opernleben im Lockdown. Immerhin durfte die temperamentvolle Anti-Diva auftreten: als Donizettis Maria Stuarda, als Amalia in Verdis «I masnadieri». Ein Gespräch über Vollbremsungen, verrückte Opernfrauen und ihre Rolle als lehrende Mutter

Frau Damrau, Ihre letzte Opernvorstellung vor dem ersten Lockdown war am 8. März 2020 die Münchner Premiere von Verdis «I masnadieri». Hätten Sie damals gedacht, dass da etwas Großes, Furchtbares auf Sie zurollt?
Seltsam war, dass ich im Januar 2020 ein Video bekam, auf dem man sah, wie in China die Menschen auf der Straße zusammenbrachen. Ich habe das einem befreundeten Arzt geschickt, der meinte: «Warten wir’s ab. Außerdem gibt es in drei Monaten sowieso eine Impfung.

» Mein Mann und ich waren sogar noch in Mailand inmitten der Produktion «Roméo et Juliette». Während der Münchner Proben waren alle Beteiligten wie mit Scheuklappen auf «I masnadieri» fokussiert. Dass der eiserne Vorhang nach der Premiere heruntergeht, damit hätte keiner gerechnet. Danach war es für uns wie im Hurrikan.

Was heißt das?
Ich bin sofort nach Zürich, zurück nach Hause also. Drei Tage später wurden die Schulen geschlossen, zunächst für zwei Wochen, wie es hieß. Mein Mann, die beiden Buben und ich sind also nach Frankreich in unserer Ferienhaus, dort passierte dann der totale Lockdown. Das Homeschooling brach wie eine Sintflut über uns herein, auch weil das Internet so schlecht war. Auf einmal waren wir ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Interview, Seite 50
von Markus Thiel

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