L'amour parisien

Die Stiftung Palazzetto Bru Zane präsentiert mit Reynaldo Hahns «O mon bel inconnu» ein Juwel der französischen Operette

Prosper Aubertin langweilt sich in seiner Ehe und gibt darum anonym eine Kontaktanzeige auf. Unter den vielen Briefen, die bald postlagernd eintreffen, finden sich zu seiner Überraschung auch Zuschriften seines Dienstmädchens, seiner Tochter und seiner eigenen Gattin. Eine erotisch knisternde Figuren-Konstellation hat sich Sacha Guitry 1933 für «O mon bel inconnu» ausgedacht. Überraschend ist allerdings, dass der legendäre Schauspieler und Bühnenautor die wortverspielte Handlung im kleinbürgerlichen Milieu ansiedelt – sein Monsieur Aubertin ist Besitzer eines Hutgeschäfts.

Während die Berliner Revueoperetten der Zeit ganz auf Glamour setzten und darum bevorzugt in High-Society-Kreisen spielten, entstammen die Bühnenfiguren in Guitrys comédie musicale der Einkommensklasse seines Publikums. Der titelgebende «schöne Unbekannte» ist in Wahrheit nur ein Durchschnittsmann. Die Musik allerdings, die Reynaldo Hahn zu dieser Boulevard-Petitesse komponiert hat, ist absolut nicht spießig, sondern großstädtisch-elegant. Wobei er – und das ist der zweite Unterschied zur deutschen Operette jener Epoche – komplett auf Jazzeinflüsse und amerikanische Modetänze verzichtet. Sein Bezugsrahmen ist ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 42
von Frederik Hanssen

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