Musikalisch wertvoll

Beethovens «Leonore» in der Urfassung von 1805 als Livemitschnitt einer Produktion der Opera Lafayette

In seinem zum Diamanten geschliffenen Essay «die oper erwirbt mir die Märtirerkrone» über die anhaltende Debatte um Beethovens einziges Musiktheater hat der Publizist Uwe Schweikert mit gespitzter Feder darauf verwiesen, dieses gleiche im Grunde der Quadratur des Kreises. Einmal, weil die «kleingeschneiderte Singspielidylle», wie sein in der Causa nicht minder beschlagener Kollege Peter Gülke das opus unicum nennt, in einem idealistischen Finale der Humanität ende, also gleichsam das eine die Aufhebung des anderen sei.

Aber vor allem deswegen, weil der Streit um die Frage, welche der Fassungen die vermutlich am meisten authentische sei, wohl bis in alle Ewigkeit unbeant­wortet bleiben muss. Aus diesem «Dickicht von ästhetischen, biografischen, dramaturgisch-musikalischen wie historisch-überlieferungsgeschichtlichen Argumenten», so Schweikerts soignierte Conclusio, sei ein glücklicher Ausweg nahezu unmöglich.

Von der «Ur-Leonore» 1805 mit der zweiten Leonoren-Ouvertüre bis zum «Fidelio» 1814 (mit der dritten in der «richtigen» Tonart) reicht der Weg dieses Werks, das kontrovers nicht nur diskutiert wird, sondern in sich schon kontrovers ist, wenn man so will: eine Contradictio in ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 44
von Jürgen Otten

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