Wahrhaftigkeit und Wahnsinn
Das ultimative Idyll, vielleicht ist es auch nur eine Utopie, begegnet uns schon in Nummer zwei. «Es ruht so wohl, es ruht so warm», dichtete Eduard von Bauernfeld, von Franz Schubert in «Der Vater mit dem Kind» als klangliches Andachtsbild festgehalten. Und dass diese Minuten völlig kitschfrei gesungen werden, voller Wärme, inniglich und echt, vielleicht auch aus autobiografischer Emotion heraus, das ist eines der Wunder dieses neuen Albums.
Georg Nigl, der Mann für die Sonderlinge auf den Opernbühnen, geht mit «Echo» noch einen Schritt über sein mehrfach prämiertes Album «Vanitas» hinaus. Was bleibt, ist die radikale Intimität. Ein Gesang, oft am unteren Ende der Dynamikskala, eine natürliche Verlängerung des Sprechens, etwas, das den Bariton wie neben uns platziert. Als ob er uns etwas ins Ohr haucht. Sehr beunruhigend kann das sein.
Nigl und die grandiose Pianistin Olga Pashchenko wandeln dieses Mal im Balladen-Biotop. Und das ist unendlich reich: «Echo» spreizt sich von Loewes wohlbekanntem «Odins Meeresritt» bis zu Schuberts kaum gesungener, viertelstündiger (!) «Viola» – einer Parabel auf einen Text Franz von Schobers, in der sich ein Schneeglöcklein in Winterkälte dem ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Markus Thiel
Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...
Die Götter müssen verrückt sein! Wo bin ich da nur hingeraten?» Dergleichen mag Odysseus gedacht haben angesichts der Rumpelkammer, pardon: der begehbaren Kunstinstallation, in die sich Ithaka in den zwanzig Jahren seiner Abwesenheit verwandelt hatte. Wenn er schon die Heimat nicht wiedererkennt, wie wird es dann erst Penelope mit ihm ergehen? Kann es noch eine...
Die Hauptsache ist es, das Ballett zuerst aus dem Weg zu schaffen; die Oper allerdings ist so fesselnd, und ich mag die Geschichte so sehr» – so schrieb Peter Tschaikowsky an seinen Bruder Anatol. Die Oper war denn auch ein voller Erfolg, das Ballett dagegen langweilte bei der gemeinsamen Uraufführung 1892 am Petersburger Mariinski-Theater. Doch die Oper wurde...
