Wahnsinnig gut
Mehr als 33 Jahre sind vergangen, seit Dietrich W. Hilsdorf mit Verdis «Don Carlo» seine erste, kontrovers diskutierte Inszenierung an der gerade eröffneten Essener Aalto-Oper präsentierte. Die scharf zugespitzte Deutung wurde bald schon Kult und hielt sich außergewöhnlich lange im Spielplan. Immer wieder hat Hilsdorf seither in Essen inszeniert und wird schon lange nicht mehr ausgebuht. Dabei ist der mittlerweile 73-Jährige heute keineswegs altersmilde oder gar harmoniesüchtig geworden. Eher noch genauer, dabei aber subtiler in Wahl und Einsatz seiner Mittel.
Was nun in Essen bei der Übernahme seiner Dresdner Inszenierung (2017) von Donizettis «Lucia di Lammermoor» zu erleben ist.
Während der Ouvertüre kommen drei bizarr geschminkte Frauen auf die Bühne, zitieren die Hexen aus Shakespeares «Macbeth» und zerreißen einen Gazevorhang. Bühnenbildner Johannes Leiacker, schon beim «Don Carlo» Hilsdorfs Mitstreiter, hat einen nachtschwarzen, hohen Einheitsraum auf die Bühne gewuchtet, erleuchtet vom kalt-weißen Licht eines Frieses senkrecht ausgerichteter Neon-Röhren. «Mors certa hora incerta» steht in weißen Lettern auf dem Souffleurkasten: Gewiss ist der Tod, ungewiss die ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Regine Müller
Nun hat die Deutsche Oper am Rhein ihren «Ring» auch auf CD vollendet. Die überregional vielbeachtete, 2017 in Düsseldorf begonnene Inszenierung Dietrich Hilsdorfs kam unter Leitung von GMD Axel Kober in Düsseldorf mit den dortigen Symphonikern, in Duisburg mit den ortsansässigen Philharmonikern sowie in teilweise unterschiedlichen Besetzungen heraus. Dort sollte...
Der Satz ist, wiewohl etwas altfränkisch in seiner Semantik, Legende und als «kategorischer Imperativ» in die Philosophie- und Kulturgeschichte eingegangen als ein zeitlos gültiges Postulat, das gewiss auch die Zustimmung des Ethik-Experten Freiherr von Knigge gefunden hat: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein...
Vergessen Sie für einen Moment Mozart und seinen «Idomeneo», der die deprimierende Katharsis des originalen Librettos ins Gegenteil verkehrt. Der Plot ist zwar identisch: Kretas König Idomeneo verspricht Neptun für die Errettung aus einem Seesturm, den ersten Menschen zu töten, der ihm an Land begegnet, und stößt dann fatalerweise auf den eigenen Sohn. Bei Mozart...
