Traurige Zeiten
Wie sich die Zeiten doch ändern: Als 1835 Karl von Gutzkows Roman «Wally, die Zweiflerin» erschien, ging nicht nur ein weithin hörbares Raunen durch den deutschen Blätterwald, der Autor landete für seine angeblich blasphemische und (aufgrund einer Nacktszene in der Hochzeitsnacht) als pornografisch inkriminierte Fiktion sogar im Gefängnis und wurde mit einem Publikationsverbot belegt. Der Vormärz war zwar revolutionär gesinnt, in seinen restaurativen Teilen aber ziemlich prüde.
Wilhelmine von Hillern hatte es da knapp 40 Jahre und eineinhalb Revolutionen später schon leichter: Ihre «Geier-Wally» von 1873 geriet zwar in vielen Passagen ziemlich trivial, doch weder musste die Schriftstellerin dafür hinter schwedische Gardinen wandern, noch versuchte irgendjemand, sie fürderhin vom Schreiben abzuhalten. Ganz im Gegenteil: Der Roman wurde zum Kultobjekt, und seine Titelheldin besaß mit einem Schlag das Talent zur klingenden wie visuellen Adaption.
Über die genretypischen Wally-Heimatfilme hier kein Wort. Wer sie schauen will, soll es tun und sich daran delektieren. Über das Dramma lirico von Alfredo Catalani (es war, ein Jahr vor seinem überraschenden Tod, das gelungenste seiner ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
So leicht ist Leonora nicht zu entführen: Wenn Luna sie am Ende des zweiten Teils mit seinen Soldaten dem Kloster entreißen will, greifen erstmal die Nonnen selbst zum Colt. Zu heikel wird den geistlichen Damen das Ganze erst, als auch noch Manricos Mannen in Cowboykluft die Bühne stürmen. Ein für Peter Konwitschny typischer V-Effekt, der das Melodramatische in...
Interessante Selbsteinschätzung: «Ich bin beständig wie der Nordstern / Von jener wahren festen und ruhenden Qualität / Es gibt keinen anderen am Firmament. / Der Himmel ist mit unzähligen Funken bemalt. Sie sind alle schön, und jeder leuchtet; / Aber es gibt nur einen in allen, der seinen Platz hält. / Ich bin derjenige, der sich nicht bewegen kann.» So sagt und...
Den Schlüsselsatz zu dem Stück hat der Autor selbst geschrieben: «Wie können sich Schriftsteller solche Sujets aussuchen? [...] Erstens hat das Vaterland nicht den geringsten Nutzen davon; zweitens – aber auch zweitens ist kein Nutzen dabei …» Herbert Fritsch muss die letzten Worte aus Nikolai Gogols Erzählung «Die Nase» von 1836 geradezu inhaliert haben, als er...
