Poesiealben
Seit vier Jahren veranstaltet die Académie Orsay-Royaumont in der ehemaligen Zisterzienserabtei Royaumont Liedkurse, die im dritten Studienjahr von der Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac und dem Pianisten Pascal Jourdan geleitet wurden. Im Abschlusskonzert am 7. Februar 2021 zeigten die ausgezeichneten Lied-Duos, was sie können, und das ist, wie man ja auch aus anderen Wettbewerben weiß, erstaunlich viel.
Zwei Teams ragen heraus: der russische Bassbariton Mikhail Timoshenko und seine bulgarische Begleiterin Elitsa Desseva sowie das britische Lied-Duo Grace Durham/Edward Liddall. Timoshenko fordert den Vergleich mit dem legendären Fjodor Schaljapin heraus, für den Jacques Ibert 1932 seine selten zu hörenden vier «Chansons de Don Quichotte» geschrieben hat, und er besteht ihn glänzend. Von Schaljapins überlebensgroßem Pathos setzt der über eine perfekte Technik gebietende Timoshenko sich durch eine gezügelte, aber nicht weniger eindrucksvolle Darstellung ab. Im ersten Lied auf einen Text des Renaissance-Lyrikers Ronsard trifft er den zeremoniös-archaischen Ton, im zweiten die Eleganz des spanischen Kolorits, im letzten – über den Tod Quichottes – die atemraubend in einem Seufzer ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Gemeinschaftskompositionen sind in der E-Musik selten – und werden meist etwas grimmig oder zumindest skeptisch, widerwillig rezipiert. So hört man die «Genesis Suite», zu der sich im Jahr 1945 Komponisten wie Schönberg, Milhaud und Strawinsky «zusammenfanden», um jeweils satzweise eine Geschichte aus dem Alten Testament zu vertonen, fast nie im Konzert. Das liegt...
Die Hoffnungen waren immens, wurden aber nur zur Hälfte erfüllt: Die mit Spannung erwartete Saisoneröffnung am Teatro San Carlo in Neapel zum Auftakt der Intendanz von Stéphane Lissner (der den Neapolitanern versprochen hat, künftig Großes zu leisten) mit Verdis «Otello» geriet – in Anwesenheit von Italiens Präsident Sergio Mattarella und zahleichen Prominenten –...
Bei seiner Premiere am 8. Dezember 1718 an der Pariser Académie royale de musique fiel das Werk durch. André Cardinal Destouches’ «Sémiramis» wurde nach nur einem Monat abgesetzt – und erst dreihundert Jahre später beim Festival d’Ambronay erneut aufgeführt. Die Oper über die sagenhafte babylonische Königin scheint das Pariser Publikum, dessen Geschmack damals mehr...
