Poesiealben
Seit vier Jahren veranstaltet die Académie Orsay-Royaumont in der ehemaligen Zisterzienserabtei Royaumont Liedkurse, die im dritten Studienjahr von der Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac und dem Pianisten Pascal Jourdan geleitet wurden. Im Abschlusskonzert am 7. Februar 2021 zeigten die ausgezeichneten Lied-Duos, was sie können, und das ist, wie man ja auch aus anderen Wettbewerben weiß, erstaunlich viel.
Zwei Teams ragen heraus: der russische Bassbariton Mikhail Timoshenko und seine bulgarische Begleiterin Elitsa Desseva sowie das britische Lied-Duo Grace Durham/Edward Liddall. Timoshenko fordert den Vergleich mit dem legendären Fjodor Schaljapin heraus, für den Jacques Ibert 1932 seine selten zu hörenden vier «Chansons de Don Quichotte» geschrieben hat, und er besteht ihn glänzend. Von Schaljapins überlebensgroßem Pathos setzt der über eine perfekte Technik gebietende Timoshenko sich durch eine gezügelte, aber nicht weniger eindrucksvolle Darstellung ab. Im ersten Lied auf einen Text des Renaissance-Lyrikers Ronsard trifft er den zeremoniös-archaischen Ton, im zweiten die Eleganz des spanischen Kolorits, im letzten – über den Tod Quichottes – die atemraubend in einem Seufzer ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Seit dem Amtsantritt von Yannick Nézet-Séguin als Musikdirektor der Metropolitan Opera in der Saison 2018/19 legt das Haus – in diesen Dingen seit Mitte der 1930er-Jahre unbeständig und erst seit einigen Jahren langsam wieder im Aufwind – erkennbar größeren Wert auf die zeitgenössische Musik. Nach der Saisoneröffnung mit «Fire Shut Up in My Bones» von Terence...
Das englische Wort «longing» meint Sehnen, Sehnsucht, Verlangen; als Verb bedeutet es auch schmachten, dürsten, gelüsten. Es ist ein wandelbares, biegungsfähiges Wort; im moralischen Spannungsfeld zwischen Boccaccio und Paulus von Tarsus hält es nach beiden Seiten Ausschau. Doch vermutlich hatten Lucy Crowe und Anna Tilbrook, als sie ihrem Album dieses Motto gaben,...
Der Argwohn war groß, die Erleichterung noch größer. Fachfremde Berühmtheiten, die Opern zu inszenieren versuchen, fallen meist auf die Nase. Nicht so Christian Lacroix, einst gefeierter Couturier, heute gefragter Kostümbildner für die Bühne. Mit Offenbachs «La vie parisienne» an der Opéra de Rouen Normandie hat der 70-Jährige seinen Regie-Einstand magna cum laude...
