Wahlverwandtschaften
Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davongetragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm Kienzl ganz eigene, eigentümliche Felder der Farben und harmonischen Novitäten – auch wenn die Themen nicht unbedingt neu sind.
Mit dem Zyklus «Turmwächterlied und andere Gesänge» bewegt sich Zemlinsky zum Beispiel auf einem parallelen Pfad zu Mahlers «Wunderhorn»-Liedern, die auch Kriegerisches thematisieren. Bei Zemlinsky ist der Pathos-Anteil etwas größer – wovon sich freilich Norbert Ernst nicht verführen lässt. Dem Tenor, Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, ist mit «Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt» eine mutige, hörenswerte Lied-CD geglückt, ganz ohne Hits. Sie kündet von der Neugier dieses Sängers und davon, dass seine Stimme zu mehr fähig ist als zu Charakterrollen à la Loge oder David. Ernst singt das zwischen Spätromantik und Expressionismus oszillierende Repertoire mit leicht ansprechender, gehaltreicher, nur ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Markus Thiel
Karlsruhe hat sich bei den 37. Händelfestspielen mit einer Inszenierung des selten aufgeführten «Riccardo Primo» durch den französischen Regisseur Benjamin Lazar erneut der barocken Theaterästhetik verschrieben. Aber anders als vor fünf Jahren bei der spektakulären Aufführung des «Radamisto» durch Sigrid T’Hooft (siehe OW 4/2009) reichte es diesmal nur zu einem...
Verdis dicker, bankrotter Ritter Sir John Falstaff zeigt in Frankfurt den justiziablen Stinkefinger – allerdings nur auf dem Plakat, mit dem die Oper für Verdis bitterböse Komödie wirbt. Auf der Szene selbst geht es in Keith Warners Inszenierung eher gefällig zu. Warner, Boris Kudlicka und Kaspar Glarner (die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnen), zeigen...
Christof Loys ausgefeilt-stimmige Züricher Inszenierung von Bellinis romantischem Melodramma «La straniera» (siehe OW 8/2013), von der man hoffen möchte, dass sie dem zu Unrecht vernachlässigten Stück einen ähnlichen Innovationsschub gibt wie Jossi Wielers und Sergio Morabitos wegweisende Stuttgarter «Norma» 2002, hat – mit gänzlich neuer Besetzung – das Essener...
