Wahlverwandtschaften

Norbert Ernst und Sophia Brommer erkunden Lieder zwischen Spätromantik und Expressionismus

Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davon­getragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm Kienzl ganz eigene, ­eigentümliche Felder der Farben und harmonischen Novitäten – auch wenn die Themen nicht unbedingt neu sind.



Mit dem Zyklus «Turmwächterlied und andere Gesänge» bewegt sich Zemlinsky zum Beispiel auf einem parallelen Pfad zu Mahlers «Wunderhorn»-Liedern, die auch Kriegerisches thematisieren. Bei Zemlinsky ist der Pathos-Anteil etwas größer – wovon sich freilich Norbert Ernst nicht verführen lässt. Dem Tenor, Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, ist mit «Wohl fühl ich, wie das Leben rinnt» eine mutige, hörenswerte Lied-CD geglückt, ganz ohne Hits. Sie kündet von der Neugier dieses Sängers und davon, dass seine Stimme zu mehr fähig ist als zu Charakterrollen à la Loge oder David. Ernst singt das zwischen Spätromantik und Expressionismus oszillierende Repertoire mit leicht ansprechender, gehaltreicher, nur ...

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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Markus Thiel

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