Wiedergänger im Aquarium

Verdi: Falstaff Frankfurt / Oper

Opernwelt - Logo

Verdis dicker, bankrotter Ritter Sir John Falstaff zeigt in Frankfurt den justiziablen Stinkefinger – allerdings nur auf dem Plakat, mit dem die Oper für Verdis bitterböse Komödie wirbt. Auf der Szene selbst geht es in Keith Warners Inszenierung eher gefällig zu. Warner, Boris Kudlicka und Kaspar Glarner (die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnen), zeigen das Alterswerk des achtzigjährigen Verdi als musealen Spaß – den sie denn auch konsequent in einem dunklen, muffigen Museum des ausgehenden 19.

Jahrhunderts platzieren, mit dessen fahrbaren Glasvitrinen sich ausgiebig und virtuos intrigieren lässt. Erst im letzten Akt gibt der Raum mit der zweistöckigen hölzernen Shakespeare-Bühne dann den Rahmen für die Abreibung Falstaffs frei, bei der sich die Besitzbürger von Windsor mit ihren Frauen zum karnevalesken Maskenfest in elisabethanischen Kostümen einfinden.

Das ist, als pralle Shakespeare-Huldigung, glänzend gemacht – in einer typisch britischen Mischung aus slapstickhafter Übertreibung und ironischem Understatement, zielt allerdings an Verdis desillusioniert-desillusionierendem Spiel auf, ja mit dem Theater gänzlich vorbei. So ist auch bei Warner, wie in anderen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Theorie aus Erfahrung

Mitte der achtziger Jahre. Carl Dahlhaus, der Berliner Ordinarius für Musikwissenschaft, war schon sehr krank, und seine Vorlesungen mussten immer wieder ausfallen. Da sprang ein nicht mehr ganz junger, aber dynamisch wirkender Mann ein, von dem wir Studenten wussten, dass er eigentlich Dirigent war, aus der DDR kam und seit Kurzem in Wuppertal als GMD wirkte....

Apropos... Bühnentier

Arbeiten Sie eigentlich immer noch mit einem Gesangslehrer?
Ich habe zwei! Gerald Martin Moore in New York. Und Kiri Te Kanawa. Sie ist mein Idol seit meiner Kinderzeit. Ich sehe sie leider jetzt nicht mehr so oft, aber ich tue mein Möglichstes.

Ist es schwierig, sie nicht nachzuahmen?
Kiri kann man nicht nachahmen. Wenn sie in meiner Stunde singt, ist das so...

Jubel, Trubel, Grausamkeit

Kennen Sie das Gefühl? Wenn man viel zu spät und stocknüchtern auf eine Party kommt, auf der alle schon völlig blau sind? Befremden, weil sich alle so unsäglich benehmen. Scham, denn wer nicht passt, sind Sie, nicht die anderen. Ein bisschen Neid, weil es letztlich doch schöner wäre mitzulachen, als dumm ­danebenzustehen. Falls ja, können Sie sich das Verhältnis...