Wagner: Tannhäuser
Die Rolle ist der Schrecken aller Besetzungsbüros: Wenn ein Tannhäuser her muss, greifen selbst große Häuser zu Verlegenheitslösungen. Dass ausgerechnet das Theater Magdeburg einen Tenor aufbieten kann, der die schwierigste aller Wagner-Rollen tatsächlich singen kann, grenzt da schon fast an eine Sensation.
Und doch ist der Amerikaner Lawrence Bakst ein echter Tannhäuser: Über zwei Jahrzehnte an Stadttheaterbühnen herangereift, ruht die Stimme auf sicherem Fundament, auf der sich bruchlos eine gleißende, durchschlagskräftige Höhe entfaltet – und das nie auf Kosten der präzisen, akzentfreien Diktion. Locker legen sich beispielsweise die «Erbarme Dich»-Rufe im zweiten Akt über das ganze Ensemble, die «Rom-Erzählung» bezieht ihre Verzweiflungsenergien aus suggestivem Einsatz von Stimmfarben und ausgefeilter Phrasierung. Eine Handvoll gestemmter Spitzentöne, vor allem im ersten Akt, fallen da nur unwesentlich ins Gewicht – dass Bakst bislang als Radames und Bajazzo ein eher unauffälliges Tenordasein im Windschatten der Stadttheater führt, dürfte eher daran liegen, dass er nicht eben der Darstellertyp ist, von dem Regisseure träumen. Als Darsteller nicht sonderlich flexibel, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein trüber Novembernachmittag in Bayern, Volkstrauertag. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass in den Wohnzimmern Friedhofsruhe herrscht. Für viele Kinder des Sendegebiets ist die Stunde von fünf bis sechs der Höhepunkt des Wochenendes – vor dem Radiogerät. Auf Bayern 4 Klassik meldet sich Julia Schölzel, Moderatorin der Sendung «Doremikro»: Ins Studio ist ein...
Zu den seltsamsten Blüten des MozartJahrs gehört die in Münster uraufgeführte Oper «Fintenzauber» der beiden Luxemburger Nico Helminger und Camille Kerger. Helminger hat sich aus Mozarts Opern neun Figuren, darunter den Transvestiten Papagenoa, zusammengeklaubt und in einen Plot verwickelt, wie er einfältiger nicht erfunden werden kann. Der Medien- und Modezar...
Verdis «Simon Boccanegra», ein Meisterwerk, war in Berlin seit über zwanzig Jahren nicht zu sehen. Weder Giancarlo del Monacos Vorgängerinszenierung (unter Giuseppe Sinopoli) noch Claudio Abbados konzertanter Einsatz mit den Berliner Philharmonikern konnte dem Werk dauerhaft nützen. Lorenzo Fioroni, der bisher in Münster und Kassel hervorgetreten ist, inszeniert...
