Verkanntes Meisterwerk
Boitos «Mefistofele» hat in der Geschichte der Schallplatte eine Rolle gespielt, die in keinem Verhältnis steht zu der vergleichsweise bescheidenen Verbreitung des Werkes auf der Bühne. Kaum ein Tenor des italienischen Fachs hat es in den letzten hundert Jahren versäumt, sich mit den beiden Arien des Faust zu verewigen, kein lirico-spinto-Sopran hat Margheritas Kerkerarie «L'altra notte in fondo al mare» ausgelassen. Für Enrico Caruso und Beniamino Gigli war «Dai Campi, dai prati» sogar der Einstieg in die Schallplatten-Karriere.
Etwa ein Dutzend Aufnahmen der Oper, die bei der Uraufführung an der Mailänder Scala 1868 ausgepfiffen wurde, sieben Jahre später in gekürzter Form in Bologna aber einen Triumph erlebte, sind bereits auf CD veröffentlicht worden. Dabei sind einige Piraten-Mitschnitte noch gar nicht mitgerechnet. Doch eine in jeder Hinsicht befriedigende Interpretation ist nicht darunter. Das liegt vor allem an der Komplexität des Werkes: Traditionelle italienische Kantilene verbindet sich mit einer Orchesterbehandlung à la Berlioz und einem hochkarätigen Text, der dem Original Goethes so nahe wie nur irgend möglich kommt. Dirigentische Routine genügt da ebenso wenig wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vielen Werken des modernen Musiktheaters gelingt es trotz erheblicher Qualitäten nach der Uraufführung nicht, auch nur ein einziges Mal neu inszeniert zu werden. Obwohl die Veröffentlichung eines Mitschnitts mit Risiko und Kosten, nicht zuletzt hinsichtlich der Urheberrechte verbunden ist, gibt es glücklicherweise Plattenfirmen, die sich auf zeitgenössische Musik...
Was wird in diesem minutiös nachgebauten, von Sonnenlicht durchfluteten Wiener Kaffeehaus des 19. Jahrhunderts mit seinen vom Zigarrenrauch der Jahrzehnte angegilbten Putz wohl gespielt? Lessings «Minna», die in einem Wirtshaus beginnt? Eine Nestroy-Komödie? Schnitzler? Oder doch eine Mozart-Oper? Mit kleiner, separater Bühne ist dieser Ort ausgestattet, einer...
Holzwurm und Karaoke
Wird Mozarts «Zauberflöte» ihrem unausrottbaren Ruf, eine Kinderoper zu sein, gerecht? Nein, würden viele Musiktheaterpädagogen sagen: dramaturgisch verworren, weltanschaulich überladen, politisch unkorrekt und natürlich – zu lang. Für die CD-Branche und die Verlage ist dieses Problem obsolet. Sie halten am Status quo fest, dass «Die...
