Wagner zum Lesen

In authentischer Form: Der Bärenreiter Verlag legt ein Faksimile des Autografs der «Parsifal»-Partitur vor

«Parsifal» ist Wagners letztes Musikdrama, dem Untertitel nach ein «Bühnenweihfestspiel». Das ominöse Wort lässt sich in heutige Sprache übertragen: Es bezeichnet die spezifische Einheit von Aufführung, Spielstätte und Handlung, auf die es Wagner ankam, und die er auf vielfältige Weise mit Ritualen durchsetzte. Zwischen «Parsifal» und den Bayreuther Festspielen gibt es eine symbiotische Beziehung, die bis heute anhält. Es geht dabei um Selbstverständnis und Paradigmenwechsel der Festspiele, um ideengeschichtliche Aspekte also. Es geht aber auch um Aufführungspraxis.

«Parsifal» ist das einzige Stück, das Wagner in Kenntnis der Bayreuther Akustik und des verdeckten Orchestergrabens komponiert hat. Für die Festspiele ist damit ein – vielleicht inzwischen das letzte – Alleinstellungsmerkmal gegeben: «Parsifal» klingt nirgends so (gut) wie in Bayreuth. Die «Meistersinger» und ihr polyphoner Orchestersatz zum Beispiel haben es schwer mit dem verdeckten Graben. Die Klangmischungen des «Parsifal» dagegen lassen sich dort erst richtig herstellen, was nicht heißt, dass sie sich automatisch einstellen würden. Dirigent und Orchester sind nicht weniger, sondern anders gefragt als beim «Ring» ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Stephan Mösch