Wagner: Tristan und Isolde
Das Anhaltische Theater – seit der Jahrhundertwende ein Ort der «Wagnerpflege» – hatte mehr als fünfzig Jahre keinen «Tristan» mehr im Repertoire. Mit einer «naturbelassenen» Neuinszenierung wollte Hausherr Johannes Felsenstein dem abhelfen. Ein unverfälschter «Tristan»? Selbst wer die Münchner Uraufführungsdekorationen kopiert, ist von einer «authentischen» Interpretation weit entfernt. Immerhin zeigte Felsenstein einen Gegen-«Tristan» zu den derzeit gängigen Bebilderungen mit Blümchentapete, Wohnküche, Slum oder Bordell.
Was dabei herauskam, war allerdings eine nichts weniger als «werktreue», zudem wenig an- und erregende Aufführung – trotz betont sexualisierter Personenführung, die ihrerseits ein Missverständnis des Stücks darstellt.
Stefan Rieckhoff baute über dem hochgefahrenen Orchestergraben eine dreh- und kippbare Spielfläche, auf der die Sänger konventionell agieren. Das Orchester sitzt auf der Bühne. Dahinter wird (in amateurhaft wirkender Videoqualität) gefällig plätschernder Seegang projiziert. Im ersten Akt deutet die in den Zuschauerraum ragende Plattform ein Schiffsdeck an, im zweiten sieht man eine Art Mini-Stonehenge in ständiger Drehung, im dritten ein ...
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