Kleinmeistersinger
Warum nicht einmal so, wie sich Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» am Luxemburger Grand Théâtre in der Fassung der Berliner Volksbühne präsentieren? Was exaltierte Musiktheaterregisseure schon alles mit der deutschsten aller deutschen Opern angestellt haben, wobei sie sich stets furchtsam an die komplette Partitur klammerten, das kann einen Schauspielmann wie Frank Castorf nur dazu provozieren, noch einen draufzusetzen.
Weg mit dem großen Orchester, stattdessen zwei Klaviere und ein Bläserquintett; einen kompagniestarken Opernchor braucht es ebenfalls nicht, der kleine Volksbühnenchor tut es auch. Und gesungen werden muss nur von Fall zu Fall, wenn etwa Stolzing seine belkantistischen Werbe- oder Preislieder intoniert. Christoph Homberger presst sie irgendwie als zahme Parodie hervor.
Eine Parodie aber beabsichtigten Castorf und seine musikalischen Mitarbeiter (neben Homberger noch Christoph Keller und Stefan Wirth) keinesfalls, vielmehr wird unter der Verwendung der Vorlage ein szenischer Kommentar zu den «Meistersingern» formuliert. Der Dramatiker Ernst Toller hilft dabei. Texte aus dessen 1920 erschienenem Stück «Masse – Mensch» werden in die nur noch ...
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