Es muss nicht immer Händel sein
Giovanni Carestini (1700-1760) verfügte, wie Zeitgenossen berichteten, nicht nur über einen traumhaft schönen Sopran von einzigartiger Kultur und Reinheit. Der Kastrat war auch ein leidenschaftlicher Schauspieler voll szenischer Fantasie und Ambition. Seine Verkörperungen rührten das Publikum zu Tränen. Das dürfte den Countertenor Philippe Jaroussky gereizt haben, dem Geheimnis des großen Rivalen Farinellis anhand seiner Paraderollen nachzugehen.
Zwölf Arien aus neun für ihn komponierten Opern zwischen 1725 und 1752 enthält «Carestini – The Story of a Castrato».
Das Programm folgt einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Dramaturgie: Auf eine Bravour-Arie folgt jeweils ein langsames Stück. Dadurch wird die enorme gestalterische Spannweite des Kastraten in vielen Nuancen nacherlebbar. Man hat aber auch den Eindruck, dass Jaroussky auf den Spuren seines Vorbildes zu einem Gestalter ganz großen Formats wächst. Staunenswert ist die Leichtigkeit und Präzision auch rasantester Koloraturen gleich zu Beginn in der Trompeten-Arie aus Nicola Porporas
«Siface». Im träumerischen B-Teil ist der Ton voll verführerischer Süße und Seele. Hinreißend das schmelzende messa di voce, das langsame ...
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