Wachgeküsst
Charles Silvers Oper «La Belle au bois dormant» war länger im totengleichen Schlaf versunken als Aurore, die Titelheldin des klingenden Opernmärchens. Jetzt hat das unermüdliche Palazzetto Bru Zane, dessen rasante Wiederentdeckung der französischen Musik des langen 19. Jahrhunderts zur diskographischen Erfolgsstory geworden ist, das Dornröschen dieser 1902 in Marseille uraufgeführten Féerie lyrique nach fast 125 Jahren Vergessenheit wachgeküsst. Es war Silvers erste Oper.
Wie die weiteren sieben Bühnenwerke dieses Schülers von Jules Massenet, der von 1868 bis 1949 lebte und 1891 im zweiten Anlauf den begehrten Rom-Preis des Pariser Konservatoriums erhielt, wurde es so gründlich von der Furie des Verschwindens ergriffen, dass man Silvers Namen heute in den einschlägigen Musiklexika vergeblich sucht. Hört man die jetzt aus Ungarn kommende Ersteinspielung mit ihrem melodischen Charme und ihrer instrumentatorischen Raffinesse, den aufrauschenden Chören und prickelnden Tänzen, so wird man alles finden, was damals den Erfolg einer populären Oper garantierte. Dennoch wirkt die Mischung aus Zauber und Simplizität, bei aller berechtigten Begeisterung, im Vergleich zu Massenets fast ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 47
von Uwe Schweikert
Alle Jahre wieder zeigt sich ein Gespenst auf deutschsprachigen Bühnen: Lortzings «Zar und Zimmermann». Einst ebenso oft gezeigt wie der «Freischütz» und «Fidelio», geistert das Stück nur noch als phantom of the opera durchs Land, omniprominentes Mitglied einer scheintoten Gattung namens Spieloper.
Der Mentalitätswandel, schon klar. Und ein Kulturverlust. Richard...
Zum Stichwort «Rasender Roland» befragt, empfiehlt das Internet eine auf Rügen verkehrende, schmalspurige (760 Millimeter) Dampfbahn - derweil es über den in Liebestollheit sich verausgabenden Ritter aus Ariosts Feder vergleichsweise knapp informiert. Der hier apostrophierte Gefolgsmann Karls des Großen fährt indes auf Geleisen verlorenen Liebesglücks: Er glaubt an...
Georges Bizets «Carmen» ist vielleicht das am gravierendsten verkannte Repertoirestück. Seit 1908 sind weit über 200 Gesamteinspielungen erschienen. Keine einzige wird dem Geist dieser «Operette mit tödlichem Ausgang», wie Bizet selbst sein Werk nannte, gerecht. Auch der Versuch zweier renommierter französischer Institutionen, des Palazzetto Bru Zane und der Opéra...
