Vorwiegend heiter

Reznicek: Benzin
Bielefeld | Theater

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Nur einem von Emil Nikolaus von Rezniceks 25 Bühnenwerken war ein durchschlagender Erfolg beschieden – der 1894 uraufgeführten «Donna Diana». Auf den Spielplänen sucht man die Oper zwar immer noch vergebens, aber ihre spritzig-eingängige Ouvertüre überlebte im Konzertsaal und ist vermutlich älteren Semestern noch im Ohr als Markenzeichen des ZDF-Musikquiz’ «Erkennen Sie die Melodie?».

Eine Reznicek-Renaissance steht nach wie vor aus, obwohl im vergangenen Jahr das Bonner Opernhaus seinen «Holofernes» ausgrub und 2010 das Opernhaus Chemnitz für die posthume Uraufführung seiner Oper «Benzin» von 1929 sorgte; dieses «heiter-phantastischen Spiels mit Musik in zwei Akten» nahm sich nun auch das Theater Bielefeld an.

Reznicek leistete mit «Benzin» seinen Beitrag zum Genre der Zeitoper, die in der Weimarer Republik in Mode kam und deren bekannteste wohl Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» ist. Die Zeitoper brachte die Requisiten des technischen Fortschritts auf die Bühne; verhandelt wurden das Lebensgefühl sowie aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten jener Umbruchzeit.

«Benzin» erzählt – fußend auf dem Homer’­schen Vorbild von Ulysses und Circe – die Geschichte des imaginären ...

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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Regine Müller

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