Vorsprung durch Balladen

Dass der erst 27-jährige Bariton Konstantin Krimmel einen brillanten Karrierestart hinlegte, ist maßgeblich seiner Klavierpartnerin Doriana Tchakarova zu verdanken. Porträt einer in musikalischer Symbiose verbundenen Künstlergemeinschaft

Sehr knapp war das. Während sämtliche Juni- und August-Konzerte der Schubertiade dasselbe Schicksal ereilte wie gefühlt 99 Prozent aller Konzerte, sollte an drei Juli-Tagen im Markus-Sittikus-Saal zu Hohenems wenigstens der Nachwuchs zum Zuge kommen. «Neue Stimmen», das mag ein Nebenprogramm vor weniger Zuhörern sein, aber immerhin: Schauplatz ist das Lied-Mekka schlechthin. Und man braucht nur wenig Fantasie, um sich vorzustellen: Schon bald, in besseren, Corona-freien Zeiten, wird Konstantin Krimmel ein Stern im Hauptprogramm des Festivals sein.

Und nicht nur dort: Der Mann gehört ebenso in Londons Wigmore Hall wie auf all die anderen Edel-Podien.

Ein Paradox ist das. Der 27-Jährige hat sein Studium an der Stuttgarter Musikhochschule noch gar nicht beendet. Und doch klingt Krimmel so reif, so fertig, so reflektiert, als sei er schon seit Langem im Geschäft. Auch, weil sich sein Lieblingsrepertoire als Glücksgriff für den Karriere-Einstieg erwies. Statt sich an der x-ten «Winterreise» zu versuchen, wurden es Balladen. Jene Nummern von Loewe oder Schubert also, die Opernrecken zu singen pflegen, wenn sie sich mit Lied-Image schmücken wollen. Bei Krimmel wirken die Stücke, als habe ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 54
von Markus Thiel