Katharsis, beinahe

Bollon/Mahler: Ich bin der Welt abhanden gekommen
FREIBURG | THEATER

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Die Bedrohung – sie ist an diesem Abend für den Zuschauer, wenn er beim Abdunkeln des Saals seine Maske abnehmen darf, allgegenwärtig. Etwas bricht aus, verdunkelt das ganze Leben und lässt anfangs keinen Raum für Hoffnung. Corona? Nein, es ist ein Vulkan, ähnlich dem des Jahres 1815 – Tambora. Er bescherte Europa seinerzeit einen Sommer ohne Sonne: ein einschneidendes Ereignis für die damalige Menschheit.

Das spüren die 99 im Raum, jeweils mindestens zwei Sitze oder Reihen voneinander entfernt – so schreibt es das Veranstaltungsreglement im Ländle zum Zeitpunkt der Premiere vor.

Anja Jung und Olga Motta scheinen die Parallelen zur Corona-Krise der Gegenwart gespürt zu haben. Die Idee für ihren kurzfristig ins Programm genommenen Theaterabend «Ich bin der Welt abhanden gekommen» am Theater Freiburg kam ihnen, wie sie sagen, mit dem Shutdown. Und so kreierten die am Theater Freiburg wirkende Altistin und die Berliner Regisseurin und Bühnenbildnerin «eine Musiklandschaft» (Untertitel), in der die Orchesterlieder Gustav Mahlers aufblühen. Ist Mahlers musikalisches Sensorium doch geprägt durch die gesellschaftlichen Krisen am Fin de Siècle und des bevorstehenden Untergangs der Welt ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Neustart, Seite 21
von Alexander Dick

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