Vorreiter des Wandels
Zum Auftakt möchte ich den Soziologen Bruno Latour zitieren mit einem Statement, das er im März 2020 veröffentlicht hatte: «Wir müssen gerade jetzt dafür kämpfen, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Krise das alte Klimaregime nicht wiederherstellt, gegen das wir bisher vergeblich gekämpft haben. Die Gesundheitskrise ist in etwas eingebettet, das keine Krise ist (sie ist immer vorübergehend), sondern eine nachhaltige und unumkehrbare ökologische Veränderung.» Und die trifft ohnehin schon marginalisierte Gruppen am härtesten.
Was bedeutet das konkret für die Theater? Wovon sind wir bereit, uns zu befreien?
Ich sage: Wir werden uns in Zukunft noch konsequenter dem Abbau und der Veränderung patriarchaler und kolonialistischer Strukturen, die letzten Endes auf der gewaltsamen Ausbeutung verwundbarer Körper beruhen, widmen müssen. Die Freiheiten und Werte, die wir für uns fordern und in Anspruch nehmen, haben ihre ökonomische und politische Grundlage im radikalen Ausschluss eines Großteils der Menschen und Lebewesen auf diesem Planeten von diesen Freiheiten und Werten – was überhaupt erst die Voraussetzung für ihre Ausbeutung als Basis unseres Wohlstands schafft: Wir haben ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 42
von Annemie Vanackere
Zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens in diesem Jahr hatte man sich in seiner Geburtsstadt Bonn ein besonderes Präsent ausgedacht: Das Beethoven Orchester wollte Ende April unter seinem Chefdirigenten Dirk Kaftan die «10. Sinfonie» des Meisters zur Uraufführung bringen, von der es lediglich einige Kompositionsskizzen gibt. Die Idee des Projekts ist, das...
Wie alle freischaffenden Musiker bin auch ich durch den Corona-Ausnahmezustand heftig mit meinem Beruf als Sängerin zeitgenössischer Musik konfrontiert worden. Bisher habe ich ihn immer als Berufung empfunden. Ungeliebte Lücken im Kalender gab es ja schon öfter, aber ein Berufsverbot auf unbestimmte Zeit war nie einkalkuliert.
Aus voller Fahrt ausgebremst, stellte...
Gleich drei Ausstellungen hat Alexander Kluge in den vergangenen Monaten der Oper gewidmet: an seinem Geburtsort Halberstadt, in Ulm, wo er an der Hochschule für Gestaltung gemeinsam mit Edgar Reitz die Abteilung für Filmgestaltung leitete, und in Stuttgart, wo er bis in die Gegenwart hinein die Entstehung von Inszenierungen verfolgt. Die 400-jährige Geschichte der...
