Vornehmes Pathos
Zu Beginn zeichnen die Streicher ein unschuldiges Bibelidyll. Alessandro Stradella legt in der einleitenden Sinfonia seiner frühbarocken Vertonung des «Salome»-Stoffes gleichsam eine falsche Fährte. Schließlich steht bei ihm zunächst ja nicht – wie gut zwei Jahrhunderte später bei Richard Strauss – die im Markus-Evangelium namenlose Tochter der Herodias und deren sexuelles Erwachen im Fokus seiner kompositorischen Anteilnahme. Er spürt vielmehr der glaubensgewissen Himmelshoffnung des titelgebenden Gottesmanns nach.
Den Täufer Christi hatte zur Uraufführung anno 1675 in der römischen Kirche San Giovanni dei Fiorentini der berühmte Kastrat Giovanni Francesco Grossi verkörpert. Der Siface genannte Star war bevorzugter Interpret der Opern von Cavalli und später auch jener von Scarlatti. Ein die sensationslüsternen Ohren seines Publikums kitzelndes Feuerwerk vokaler Kunstfertigkeiten durfte der Sänger darin freilich nicht entzünden. Denn Stradella betonte ganz das vornehme Pathos eines der Welt abhanden Gekommenen, der sein Schicksal vollends annimmt. Paul-Antoine Benos-Djian leiht dem Johannes in dieser feinsinnigen Einspielung seinen beseelten, reinen, nobel fließenden Countertenor.
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Peter Krause
Frau Bartha, haben Sie sich als angehende Sängerin für Gesangswettbewerbe interessiert?
Als ich in Italien studierte, in den frühen 1970er-Jahren, habe ich das ein paarmal ausprobiert. In zwei Fällen lief es sehr gut, in anderen schlecht. Ich habe dann schnell wieder damit aufgehört. Dieses Schaulaufen war nichts für mich.
Trotzdem: Waren diese Erfahrungen nützlich...
Einige Kollegen haben sich mit unmöglichen Verträgen, Dienstverhältnissen und Paragrafen beschäftigt, die uns seit Jahren das Berufsleben schwer machen und nun in der Krise auf den Kopf gefallen sind. Das war ein Hauptthema in unserer Musikerfamilie und natürlich drehen sich nach wie vor viele Gespräche bis tief in die Nacht um genau diese Themen. Doch ich muss es...
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher...
