Die Wellen des Raumes

Opernwelt - Logo

Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»

Das klingt in seiner ganzen Wahnsinnigkeit heute fast schon wieder vernünftig.

Denn wenn auch unklar ist, wer über die uns umgebenden Wellen verfügt, so wird doch immer deutlicher, dass die großen Machtfragen, die Stimmungsumschwünge der Bevölkerung und die Ermittlungen von Relevanz künftig im Netz stattfinden werden – auch und gerade, wenn es um Kunst und Künste geht.

Für die Theater wird das insofern zum Problem, als dass sie Enklave einer gesellschaftlichen Leiblichkeit im Sinne des 19. Jahrhunderts sind. In der Pandemie hatte man dadurch über Wochen den Eindruck, die stolzen Kulturtempel wären vom Erdboden verschluckt worden, abgesehen von den oft laienhaften Clips, die aus dem künstlerischen Jenseits herüberstrahlten. Und bis heute bleibt unklar, wie ohne Impfstoff wieder ein Normalbetrieb erreicht werden könnte – einerseits, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 42
von Jan Dvořák

Weitere Beiträge
Alles im Fluss

Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...

Erkenntnis und Geschichte

Als im Jahr 1722 der afghanische Stammesfürst Mir Mahmud Hotaki die persische Hauptstadt Isfahan eroberte und den Schah stürzte, da war das Thema auch in Hamburger Zeitungen. Die Ereignisse faszinierten offensichtlich so sehr, dass nahezu in Echtzeit ein Roman erschien, aus dem schon sechs Jahre später Georg Philipp Telemann eine Oper für das Haus am Gänsemarkt...

Impressum September/Oktober 2020

61. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752337

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55

Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten
Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | re...