Die Wellen des Raumes

Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»

Das klingt in seiner ganzen Wahnsinnigkeit heute fast schon wieder vernünftig.

Denn wenn auch unklar ist, wer über die uns umgebenden Wellen verfügt, so wird doch immer deutlicher, dass die großen Machtfragen, die Stimmungsumschwünge der Bevölkerung und die Ermittlungen von Relevanz künftig im Netz stattfinden werden – auch und gerade, wenn es um Kunst und Künste geht.

Für die Theater wird das insofern zum Problem, als dass sie Enklave einer gesellschaftlichen Leiblichkeit im Sinne des 19. Jahrhunderts sind. In der Pandemie hatte man dadurch über Wochen den Eindruck, die stolzen Kulturtempel wären vom Erdboden verschluckt worden, abgesehen von den oft laienhaften Clips, die aus dem künstlerischen Jenseits herüberstrahlten. Und bis heute bleibt unklar, wie ohne Impfstoff wieder ein Normalbetrieb erreicht werden könnte – einerseits, ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 42
von Jan Dvořák