Was im Kino nicht mehr geht

Volker Schlöndorff über Janáˇceks Religiosität, Verkehrsprobleme auf der Bühne, das Aufladen von Batterien und die Suche nach künstlerischer Ernsthaftigkeit

Opernwelt - Logo

Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mitt­sechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen.

Ja, Volker Schlöndorff wird sich in seiner Mittagspause als ein so unprätentiöser Gesprächs­partner herausstellen, dass mancher, der weder eine Goldene Palme noch einen Oscar im Regal stehen hat, dagegen angeberisch wirkt. Wobei «Mittagspause» eher den Probenplan zu Leoˇs Janáˇceks «Aus einem Totenhaus» als den Kalender Schlöndorffs betrifft, dessen Besitzer keine Pausen zu kennen scheint.
Dass man mit dieser Vermutung nicht ganz falsch liegt, zeigt bereits der Auftakt zur Unterhaltung: Den nimmt Schlöndorff selbst in die Hand, noch im vollen Schwung der Arbeit, die ihn eine Minute zuvor die Probebühne durcheilen ließ. Fragen müssen kaum gestellt werden. Der Regisseur ist so erfüllt von seinen Gedanken zu Janáˇceks letzter Oper, dass man sich prompt um das Fassungsvermögen des Tonbands und die Ausdauer der Batterien zu sorgen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Thema, Seite 29
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zustände ihres Willens

Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in...

Mozart: Idomeneo

Von Mozarts «großen» Opern ist «Ido­meneo» sicherlich die am schwersten zu realisierende. Eine dem Theater Augsburg vergleichbare Bühne, das Münchner Gärtnerplatztheater, setzte vor Jahresfrist mit großem Erfolg auf japanische Abstraktion in Bühnenbild, Kostümen und Gestik (Claudia Doderer). In Augsburg nun wollte Thomas Mittmann – der bereits hervorragende...

Zweibahnstraße

Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft,...