Foto: Michael Poehn

Vor Sonnenuntergang

Debussy: Pelléas et Mélisande
Wien | Staatsoper

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Auch wenn sich die Assoziation nicht unmittelbar anbietet, mussten wir bei Aufführungen von Debussys «Pelléas et Mélisande» oft an Fritz Kortner denken. «Du hättest Zuckmayer heiraten sollen», ätzte dieser einmal, als Gattin Johanna Hofer sich an einem Sonnenaufgang entzündete. Denn das Misstrauen der Intellektuellen gegenüber einem Übermaß an «Natur» ist groß; Thomas Bernhard schrieb von «unheilbarer Gesundheit».

Indes scheint Naturerfahrung wesentlich für «Pelléas et Mélisande»; freilich ist sie so tief in der morbiden Symbolklangwelt dieses Werks verwurzelt, dass man sie auf der Bühne auf keinen Fall verdoppeln sollte. Was sich Marco Arturo Marelli als Bühnenbildner seiner Inszenierung an der Wiener Staatsoper wohl zu Herzen nahm, denn er verweigerte sich allen Naturbildern wie Wald, Brunnen, Grotte, Quelle etc. Vielmehr ließ er ein an den Stummfilm des Expressionismus (etwa die Arbeiterstadt in Fritz Langs «Metropolis») erinnerndes Ambiente in Betongrau bauen. Natur wird allenfalls durch einen Minisee im Bühnenzentrum beschworen: Wasser, dessen Reflexionen an den Betonwänden flimmern, als Hinweis nicht nur aufs Unbewusste (Freud war ja Zeitgenosse dieses Stücks), sondern ...

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Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard Persché

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