Sergei Morozov, Aleksandra Alekseeva, Valentin Schwarz, Andrea Cozzi, Barbora Horáková-Joly, Cornelia Schmidt. Foto: Lupi Spuma
Wunderkammer
Münchhausen hat auf allen Linien gesiegt, alternative Wahrheiten scheinen angesagt. Doch eigentlich müssten Theaterleute abwinken. Denn die Manipulation von Fakten gehört seit je zu den unverzichtbaren Jetons des theatralischen Spiels mit der Realität; letztlich bleibt bloß die Frage nach der Priorität. Auf solche fake news hoben denn auch Valentin Schwarz (A) und Andrea Cozzi (I) beim diesjährigen «Ring Award» mit dem ersten Akt von Donizettis «Don Pasquale» ab.
Sie beschworen Parallelwelten, in denen Verrücktheit zur Wirklichkeit wird und die Titelfigur mit ihren Neurosen und Trugbildern einer feindlichen Realität gegenübersteht. Als Spielplatz wählten sie freilich nicht das Oval Office, sondern eine opulent-groteske Wunderkammer voller künstlerischer, wissenschaftlicher und mystischer Objekte. Und eben diese Wunderkammer ließ nicht nur das (dem Team zum Teil wohl freundschaftlich verbundene) Publikum in Enthusiasmus ausbrechen, sondern überzeugte auch die Ring Award-Jury, die den historisch-reflektierten Ansatz, die aufeinanderprallenden Welten und nicht zuletzt den flotten Slapstick pries. Schwarz und Cozzi holten sich nicht nur den Hauptpreis, sondern auch zahlreiche ...
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Als vor 50 Jahren der Konzertsaal von Snape Maltings in Anwesenheit der Queen mit «A Midsummer Night’s Dream» eröffnet wurde, war das eine Pioniertat. Denn der langgezogene Bau aus viktorianischer Zeit ist eine der ersten Industrieanlagen überhaupt, die – lange bevor dergleichen im Ruhrgebiet inflationär betrieben wurde – eine Umnutzung zur Hochkulturstätte erfuhr....
Hieße der Komponist nicht Verdi, kein Mensch würde seinen Erstling «Oberto» aus dem Jahr 1839 kennen. Hin und wieder – besonders im Terzett des ersten und im Quartett des zweiten Aktes – blitzt das Talent des 26-Jährigen auf. Im Ganzen aber fällt das dramaturgisch unbeholfene Stück musikalisch nicht nur weit hinter Donizettis Spätwerke, sondern auch hinter die...
Mit dem Eismeer ist es nichts mehr. Brünnhilde wacht im Karlsruher «Siegfried» nicht dort auf, wo sie 20 Bühnenjahre zuvor, am Ende der «Walküre», eingeschläfert wurde. Wagners «Ring des Nibelungen» ist das Mittelding aus Duschkabine und Kühlbox, worin das kühne Wotanskind vom Vater zurückgelassen wurde, abhanden gekommen, der Teil, in dem Yuval Sharon und...
