Kulissenzauber
Wenn Anna Netrebko am Mariinsky auftritt, ist nichts wie sonst. Die Kartenpreise schießen in die Höhe: Mehr als 300 Euro kosten die besten Plätze, derzeit ein durchschnittliches Monatsgehalt in Sankt Petersburg. Stehende Ovationen sind vorprogrammiert, unter einer halben Stunde geht es selten ab. Und während die Besucher sonst auf jedweden dress code pfeifen, werfen sie sich an Netrebko-Abenden in Schale. Die Erwartungen fliegen hoch, ebenso die Kontroversen – die einen sind wild entschlossen, «ihre Anna» auf Händen zu tragen, die anderen hoffen im Stillen, dass sie Schwächen zeigt.
Seit der Star aller Stars (fast) nur noch im Tandem mit Ehemann Yusif Eyvazov zu haben ist, sind die Temperaturen weiter gestiegen: Ist der Tenor-Gatte ihr auf der Bühne ein ebenbürtiger Partner? Hat er das Zeug, mit ihr auf Augenhöhe zu singen?
Allein, am Premierenabend einer Neuinszenierung von Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» waren es weniger die prominenten Gäste, die das Geschehen dominierten, als vielmehr der hassgeliebte Hausherr. Hat Valery Gergiev für ein Projekt Feuer gefangen, zieht er es an sich, mit aller ihm zu Gebote stehenden künstlerischen Macht. Auf sein Markenzeichen, «laute» ...
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Drei Frauen. Vieles trennt sie, die Zeit, der Ort, das Handlungsmuster. Eines aber ist verbindend. Sie alle sind auserwählt: gottgesandte, gottesnahe Gestalten. Judith, die Holofernes erschlägt, um ihr bedrohtes Volk zu retten; Jeanne d’Arc, die erst Frankreichs Truppen gegen England anführt und dann auf dem Scheiterhaufen von Rouen verglüht; schließlich die...
Es gibt Opernhäuser, die wollen schon von außen zeigen, wie bedeutend sie sind – Palermos Teatro Massimo gehört zweifelsohne zu ihnen. Eine monumentale Freitreppe führt zu einem neoklassizistischen Portikus, der von sechs hoch aufragenden korinthischen Säulen getragen und von zwei bronzenen Löwen bewacht wird. Eine mächtige Kuppel überspannt den Zuschauerraum (für...
Am besten funktioniert noch immer das Original. Auch wenn es wie hier eine Reduktion ist von Beethovens Arie auf Florestans schmerzvolle Gesangslinie, gestützt von einem dürren, solistisch besetzten Instrumentalgerüst. Sein Schrei nach dem «himmlischen Reich» beendet diese 70 Minuten, die so etwas sind wie «Fidelio 2.0». Eine musiktheatralische Untersuchung der...
