Kulissenzauber
Wenn Anna Netrebko am Mariinsky auftritt, ist nichts wie sonst. Die Kartenpreise schießen in die Höhe: Mehr als 300 Euro kosten die besten Plätze, derzeit ein durchschnittliches Monatsgehalt in Sankt Petersburg. Stehende Ovationen sind vorprogrammiert, unter einer halben Stunde geht es selten ab. Und während die Besucher sonst auf jedweden dress code pfeifen, werfen sie sich an Netrebko-Abenden in Schale. Die Erwartungen fliegen hoch, ebenso die Kontroversen – die einen sind wild entschlossen, «ihre Anna» auf Händen zu tragen, die anderen hoffen im Stillen, dass sie Schwächen zeigt.
Seit der Star aller Stars (fast) nur noch im Tandem mit Ehemann Yusif Eyvazov zu haben ist, sind die Temperaturen weiter gestiegen: Ist der Tenor-Gatte ihr auf der Bühne ein ebenbürtiger Partner? Hat er das Zeug, mit ihr auf Augenhöhe zu singen?
Allein, am Premierenabend einer Neuinszenierung von Francesco Cileas «Adriana Lecouvreur» waren es weniger die prominenten Gäste, die das Geschehen dominierten, als vielmehr der hassgeliebte Hausherr. Hat Valery Gergiev für ein Projekt Feuer gefangen, zieht er es an sich, mit aller ihm zu Gebote stehenden künstlerischen Macht. Auf sein Markenzeichen, «laute» ...
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Erst in jüngerer Zeit ist Pauline Viardot, eine der großen Primadonnen des 19. Jahrhunderts, auch als Komponistin wieder wahrgenommen worden. Ihre französischen Lieder sind in diversen Recitals mittlerweile auch auf CD zugänglich. Das vorliegende Album der deutsch-griechischen Sopranistin Miriam Alexandra konzentriert sich nun ganz auf die Zeit von 1863-71, Viardot...
In der Kunst, den rechten Augenblick zu finden, macht Mara Eggert niemand so leicht etwas vor. «Es kommt oft vor, dass ein Dramaturg sich ein Foto einer bestimmten Szene wünscht, weil dann eine wichtige Textstelle gesungen wird. Aber man kann Bilder ja nicht hören – und optisch deutet nichts auf die Besonderheit des Moments hin.» Sichtbar wird der Moment oft erst...
Was würde passieren, striche man, einfach so, in einer Aufführung die letzten Takte des «Tristan» oder die anapästischen Fortissimo-Schläge am Schluss von Strauss’ «Salome»? Rechtschaffene Empörung würde die Verantwortlichen überrollen – zumal in München. Obwohl dort zum Auftakt der Opernfestspiele die vier Schlusstakte von Franz Schrekers Dreiakter «Die...
