Von Träumen und Traumata

Zum Weber-Jahr 2006 wagt die Sächsische Staatsoper die selten gespielte «Euryanthe»

Opernwelt - Logo

Von einer Pendlerpauschale ist nichts be­kannt. Weber ging den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß: fünfzehn Kilometer die Elbe abwärts. Ein kleiner, schmäch­tiger, lungenkranker, leicht hinkender junger Mann am Stock. Erst später leis­tete er sich einen Wagen, um von seinem Sommerwohnsitz Hos­terwitz nach Dresden zu fahren, wo er das neugegründete deutsche Departement der Hofoper aufzubauen hatte. In Dresden fand Weber nicht nur seinen Lebensmittelpunkt, sondern auch die innere Balance, die er brauchte, um komponieren zu können.

Von Hosterwitz suchte er gern die damals noch ganz unerschlossene Sächsische Schweiz auf, ohne die die Wolfsschlucht im «Frei­­­schütz» undenkbar ist. Oder die Keppmühle, wo er die «Aufforderung zum Tanz» erstmals vorführte. «Ich lebe in herrlicher Natur, die es mir erlaubt, einmal ganz mir selbst und meinem ­inneren Treiben zu leben», heißt es in ­einem Brief vom Juli 1818. Das alte Winzerhaus ist heute renoviert und gehört als Außenstelle zum Dresdner Stadtmuseum. Es bietet eine eigene Konzertreihe, viele Faksimiles und Webers Familie in Öl. Man sieht das Arbeitszimmer, Webers Stimmgabel, seinen Taktstock, mit dem er, als erster Dirigent überhaupt, versuchte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eher routiniert als inspiriert

Katharina die Große, die diese Buffa in Auftrag gegeben hatte, war entzückt davon und ließ sie sich immer wieder vorspielen. Von Petersburg aus, wo sie 1779 ihre Uraufführung erlebten, kamen die «Astrologi immaginari» durch halb Europa. Joseph II., auch er ein Bewunderer, brachte sie nach Wien, wo sie 1781 unter dem Titel «Die eingebildeten Philosophen»...

Rautavaara: Rasputin

Das Stück hört sich fast so an, als hätten sich Meyerbeer, Puccini und Mascagni zusammengetan, um einen neuen «Boris Godunow» zu schreiben. Aber mehr als eine plakative Kopie der «Grande Opéra» mit – teilweise – heutigen Mitteln ist nicht dabei herausgekommen, gestützt auf einen lehrhaft-banalen Text und belastet von der ermüdenden Länge des...

Oberflächenreize

Niemand wird widersprechen: Der neue «Figaro» an Covent Garden sieht so gut aus, wie er klingt. Die Verwandlungen sind atemberaubend geschickt, das Dirigat ist elegant, die Besetzung gut. Jeder scheint zufrieden nach Hause zu gehen, oder? Nicht ganz. Denn es gibt ein Loch im Herzen dieses Abends, eine Kluft zwischen Ideen und psychologischem Verständnis. Szenischer...