«Ich bin ein blutiger Anfänger»

Andreas Dresen über Mozart, seine Vorliebe für starke Figuren und die filmische Dramaturgie in «Don Giovanni»

Opernwelt - Logo

Herr Dresen, uns war bislang gar nicht bekannt, dass Sie sich für Oper interessieren...
Mir war das offen gestanden auch nicht bewusst. Bis eines Tages Michael Schindhelm, der Direktor des Theaters Basel, bei mir anrief und fragte, ob ich nicht Lust habe, mal eine Oper zu inszenieren. Das war vor sechs Jahren, er hatte meinen Film «Nachtgestalten» gesehen. Andererseits: Ganz neu ist für mich die Bühnenarbeit nicht.

Ich komme ja aus einer Theaterfamilie, mein Vater hat unter anderem Oper gemacht, ich selbst konnte in Schwerin als Tonmeister Erfahrungen im Musiktheater sammeln. Aber trotzdem: Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, eine Oper zu inszenieren. Ich habe Michael Schindhelm auch sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er sich mit mir einen blutigen Anfänger holt. Aber er hat nicht locker gelassen.

Und dann haben Sie sich «Don Giovanni» gewünscht?
Nein, nein. Das war Michael Schindhelms Vorschlag. Als er damit ankam, hatten wir schon zwei Jahre nach einem geeigneten Stoff für mich gesucht. Ich wollte eine Geschichte mit starken Figuren und einer starken Handlung. Ich bin nun mal nicht der Typ, der opulente Bilder baut, in denen alles ausgeklügelt ist. Mich interessiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwischen Tradition und Aufbruch

Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen...

Ensemblegeist

Seltsam, dieses Nachleben von «La clemenza di Tito». Es blieb über mehr als zweihundert Jahre ein permanentes Hin und Her zwischen beliebt und vergessen. Dass diese Oper ausgerechnet im Mozart-Jahr 2006 von zahl­reichen Bühnen wieder lebhaft in Erinnerung gebracht wird, zeugt ebenso von einem gewissen Nachholbedarf wie die Tatsache, dass der «Titus» nahezu...

Witz ohne Aberwitz

Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Ja­cobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber...