Theater der Stimmen und großes Musiktheater
Von Lauritz Melchiors New Yorker «Lohengrin»-Auftritten existieren nicht weniger als fünf Mitschnitte aus den Jahren 1935 bis 1950. Der mittlere von 1943 liegt jetzt bei Naxos klanglich revidiert vor und zeigt den Sänger in exzellenter Verfassung. Er ist ein eher heldischer als romantischer Lohengrin, doch seiner triumphalen Tenor-Power kann man sich kaum entziehen. Die fünfundzwanzigjährige Astrid Varnay, später eine epochale Ortrud, ist auch als Elsa eine Klasse für sich.
Sie weiß dem Helden nicht nur leuchtende Spitzentöne entgegenzusetzen, sondern auch dramatische Energie, und deshalb wundert man sich beinahe, warum sie die entscheidende Frage nicht gleich am Anfang stellt. Auch das Umfeld stimmt. Alexander Sved gestaltet die oft zur Brüllpartie verkommene Rolle des Telramund mit dem Glanz und der Flexibilität seines italienisch geschulten Baritons und einem suggestiven Bühnentemperament, Kerstin Thorborgs stimmgewaltige Ortrud kommt ohne Keifen und Gellen aus und erhält Szenenapplaus für die «Entweihten Götter». Norman Cordon (König) und Mack Harrell (Heerrufer) bürgen für das hohe Niveau des New Yorker Stamm-Ensembles, Erich Leinsdorf liefert ein glutvolles, streckenweise ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Hotel Tiffany in Genf, ein eher unscheinbares, aber gemütliches Hotel, ist längst sein zweites Zuhause. Hier, zehn Gehminuten vom Grand Théâtre, der Genfer Oper, entfernt, habe ich mich mit Armin Jordan, dem faszinierendsten Schweizer Dirigenten, getroffen. Am Abend dirigiert er Wagners «Tristan». Die Aufführung wird zu einem denkwürdigen Erlebnis. Die...
Was ist das Leben schon wert ohne die Liebe? Nichts!, klagt Robert Carsen in Chicagos Lyric Opera – und lässt sich von Tobias Hoheisel eine graue Mondlandschaft entwerfen. Eine karge Kiesgrube für Glucks «Orfeo ed Euridice». Eine triste Gegenwelt. Auf den ersten Blick ist klar: Orpheus’ Trauer kennt keine Grenzen. Und sein Versuch, die Geliebte zu neuem Leben zu...
«Thank you for the music!» – der legendäre Song der schwedischen Popgruppe ABBA könnte als Motto über dem ersten Gastspiel der Stuttgarter Staatsoper in Japan stehen, gleichsam als Resümee einer Ära, die mit dieser Spielzeit zu Ende geht. Und wer die Inbrunst erlebte, mit der der junge Schwede Johan Weigel diesen Song zusammen mit einem knappen Dutzend Kollegen...
