Von malerischer Gewalt
God save our gracious Queen. Aus dem Schaufenster eines Souvenirladens an der Piazza von Covent Garden sehen wir im Vorbeigehen die Königin winken, ein putziges Figürchen, angetrieben über eine Solarzelle; das Winken scheint daher endlos, vielleicht noch mal eine diamantene Spanne lang. Im Royal Opera House blicken wir dann auf die andere Langzeitdienerin am britischen Volk und Vaterland: Vom Fries überm Proszenium grüßt Victoria, die ihrer Urenkelin Elizabeth II. um ein paar Jahre der Regentschaft voraus ist. Noch.
Aber auch Dido, die mythische Herrscherin von Karthago, blickt (trotz ihres Bühnensuizids) in London auf ein langes Leben zurück. Mit der aktuellen Neuproduktion an Covent Garden fehlen ihr gerade mal fünf Jahre zu ihrem Diamond Jubilee. 1957 brachte die Royal Opera jene denkwürdige, nur leicht eingestrichene Gesamtaufführung von Berlioz’ «The Trojans» (damals noch in Englisch) mit dem Dirigenten Rafael Kubelik und in der Inszenierung des Schauspielmannes John Gielgud zustande, die der Rezeption des Werks weltweit neue Impulse gab. 1969 folgte die noch legendärere Produktion von «Les Troyens» unter Colin Davis, mit Jon Vickers (der den Aeneas schon unter Kubelik gegeben ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard Persché
Edgar Allan Poes bekanntestes Schauergedicht «The Raven» hat immer wieder Künstler zur Auseinandersetzung herausgefordert. Dichter wie Harry Mulisch, Filmregisseure wie Roger Corman oder Popmusiker wie Alan Parsons bedienten sich bei Poes merkwürdiger Geschichte eines Menschen, der seinen Partner verloren hat und in einer mysteriösen nächtlichen...
Domenico Barbaja muss einen guten Riecher gehabt haben, als er den noch unbedeutenden Neuling Vincenzo Bellini, dessen Anfängerarbeiten nur wenig überragendes Talent erkennen ließen, für eine Premiere an der Mailänder Scala unter Vertrag nahm. Dort erlebte dessen dritte Oper «Il pirata» am 27. Oktober 1827 eine triumphale Premiere, der sich 13 Wiederholungen...
Wer den aus Indien stammenden, in London arbeitenden und weltweit gut gebuchten Künstler Anish Kapoor für ein Bühnenbild engagiert, weiß ziemlich genau, was er bekommt: eine zwischen Stofflichkeit und Immateriellem, Architektur und Symbol changierende, mit hübschen Op-Art Effekten spielende Raumskulptur. In Pierre Audis Amsterdamer «Parsifal» – eine Koproduktion...
