Von malerischer Gewalt

Dirigenten dominieren die großen Produktionen zum Spielzeitfinale. Antonio Pappano leitet an Covent Garden «Les Troyens» von Hector Berlioz und tritt damit in die Fußstapfen von Rafael Kubelik und Colin Davis. In Brüssel dirigiert Marc Minkowski mit «Il trovatore» seinen ersten Verdi. Verdi auch in Genf: Ingo Metzmacher steht bei «Macbeth» am Pult, Christof Loy inszeniert. An der Opéra National de Paris setzt sich Musikchef Philippe Jordan für «Arabella» ein, während Emmanuelle Haïm im Palais Garnier mit Rameau triumphiert. Gemischte Hörerfahrungen hinterlässt Kent Nagano, der an der Bayerischen Staatsoper gemeinsam mit Andreas Kriegenburg einen neuen «Ring» beendet. Das und mehr im Focus-Teil dieses Heftes.

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God save our gracious Queen. Aus dem Schaufenster eines Souvenirladens an der Piazza von Covent Garden sehen wir im Vorbeigehen die Königin winken, ein putziges Figürchen, angetrieben über eine Solarzelle; das Winken scheint daher endlos, vielleicht noch mal eine diamantene Spanne lang. Im Royal Opera House blicken wir dann auf die andere Langzeitdienerin am britischen Volk und Vaterland: Vom Fries überm Proszenium grüßt Victoria, die ihrer Urenkelin Elizabeth II. um ein paar Jahre der Regentschaft voraus ist. Noch.



Aber auch Dido, die mythische Herrscherin von Karthago, blickt (trotz ihres Bühnensuizids) in London auf ein langes Leben zurück. Mit der aktuellen Neuproduktion an Covent Garden fehlen ihr gerade mal fünf Jahre zu ihrem Diamond Jubilee. 1957 brachte die Royal Opera jene denkwürdige, nur leicht eingestrichene Gesamtaufführung von Berlioz’ «The Trojans» (damals noch in Englisch) mit dem Dirigenten Rafael Kubelik und in der Inszenierung des Schauspielmannes John Gielgud zustande, die der Rezeption des Werks weltweit neue Impulse gab. 1969 folgte die noch legendärere Produktion von «Les Troyens» unter Colin Davis, mit Jon Vickers (der den Aeneas schon unter Kubelik gegeben ...

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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard Persché

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