Von heute aus gedacht
«Wandrer heißt mich die Welt», singt der alternde Wotan im «Siegfried». Wie in allen wichtigen Figuren seiner Musikdramen steckt auch im Wanderer der Komponist selbst. Im Libretto ist das Wandern allerdings eher ein metaphorischer Akt. Wotan streift ruhelos durch die Welt, nachdem er zum Opfer seiner eigenen Verträge wurde. Machtlos, wie er ist, kann er nicht einmal den jungen Siegfried aufhalten, in Richtung von Brünnhildes Felsen zu stürmen …
Dass Richard Wagner ein ruheloses Wanderleben führte, ist bekannt.
Neben den einschlägigen Biografien gab es immer wieder Bücher und Ausstellungen, die seinen Spuren folgten. Wagners Wanderungen in der Schweiz sind mit einem Buch gewürdigt worden, ebenso seine Aufenthalte in Italien, seine Wege in Mitteldeutschland, in einzelnen Städten, kürzlich sogar seine Familienausflüge ins Bayreuther Umland. Nicht nur Autoren, auch Fotografen haben sich aufgemacht, Stationen seines Lebens einzufangen, deren Besonderheiten nachzuempfinden. Angesichts gern reisender Wagnerianer scheint der Bedarf groß und der Markt unerschöpflich. Natürlich schwankt das Niveau solcher Publikationen. Es reicht von der schlichten Nacherzählung biografischer Fakten bis ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Stephan Mösch
Schon mal was von ASMR gehört? Wir auch nicht. Autonomous Sensory Meridian Response – so nennt die Medizin eine Körperreaktion, die sich wie ein wohliges Kribbeln auf der Haut anfühlt. Manchmal wird es durch eine leichte Berührung ausgelöst, manchmal durch den Tonfall einer Stimme oder ein Geräusch. Was da genau passiert und warum, ist wissenschaftlich bislang...
Zwei Jahrhunderte schlummerte die Partitur in einem Zürcher Archiv. Erst Anfang der 1990er-Jahre wurde das von Philipp Christoph Kayser (1755-1823) auf ein Goethe-Libretto komponierte Singspiel «Scherz, List und Rache» im Liebhabertheater von Schloss Kochberg in Thüringen erstmals aufgeführt ‒ allerdings radikal gekürzt und in reduzierter Besetzung. Und man fragt...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
