Alles nur Bluff

Ligeti: Le Grand Macabre
Dresden | Semperoper

Opernwelt - Logo

Menschen in blutgetränkten Shirts liegen reglos auf den Stufen vor dem Haupteingang der Semperoper. Zögerlich bahnen sich die Premierengäste ihren Weg zwischen den Körpern, gehen unter dem Banner «Heute: Weltuntergang» hinein. Das drohende Inferno inszeniert Calixto Bieito in Dresden mit
György Ligetis «Le Grand Macabre». Seine «Anti-Anti-Oper» greift auf Opernkonventionen zurück, führt sie aber gleichzeitig ad absurdum.

Statt mit einer Ouvertüre beginnt das Werk mit einem Konzertstückchen für 12 Autohupen – sehr ausdrucksvoll und mit viel Verve getutet von drei Schlagzeugern der Staatskapelle. Es ist ein großer Schabernack.

Nekrotzar, der Makabre, macht sich mit Saufkumpan Piet vom Fass auf den Weg, um das Ende der Welt offiziell beim Prinzen zu verkünden. Schrullige Bewohner säumen ihre Tour. Ein Komet soll das Bruegelland zerstören, und somit alles, worum es sich hier dreht: Macht, Hunger, Sex. Für Bieito ein gefundenes Fressen. Nekrotzar als vulgärer, ungepflegter Unsympath im Bademantel und mit Fleck im Schritt, nimmt sich denn auch jede Frau, die er kriegen kann. Mehr als zwei werden es allerdings nicht. Amando und Amanda stecken zum Liebemachen auf Unterleibshöhe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Nora Sophie Kienast

Weitere Beiträge
Zerhackte Seelen

Das Stück war nicht etwa uninteressant, es war einfach zu interessant,  und deshalb war es schnell weg»: So deutet Peter Konwitschny das Schicksal von Paul Dessaus Oper «Lanzelot», uraufgeführt 1969 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, nirgendwo mehr inszeniert seit 1972. Der Regisseur, Jahrgang 1945, war selbst Mitakteur der (staatlich gelenkt) blühenden,...

Vexierspiel

Warum Schubert die Komposition seines «Lazarus»-Oratoriums abbrach, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass ihm der für den dritten Teil des religiösen Dramas vorgesehene hymnische Erlösungston des Librettisten August Hermann Niemeyer die Eingebung verhagelte. Das im Februar 1820 entstandene Werk endet mit einem hochdramatischen Rezitativ und Arienfragment, molto...

Auf neuestem Stand

Die Widrigkeiten und Wirrnisse, mit denen viele Kultureinrichtungen in Italien zu kämpfen haben, scheinen das Donizetti Festival in Bergamo kaum zu tangieren. Über einen Zuschauerzuwachs von zuletzt 30 Prozent können sich der Künstlerische Leiter Francesco Micheli und Musikchef Riccardo Frizza freuen. Mehr als die Hälfte der Besucher kommen aus dem Ausland: aus...