Von großen und kleinen Gefühlen
Liebhaber des französischen Lieds, der mélodie, werden bei dieser CD ins Schwärmen geraten. Véronique Gens gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den renommiertesten Interpretinnen der Barockoper, feiert aber auch mit Gluck, Mozart und französischer Musik des 19. Jahrhunderts Erfolge. Als Liedsängerin macht sie sich rar. Die einzigen einschlägigen CDs, Berlioz’ «Les nuits d’été» sowie ein Programm mit Liedern von Fauré, Debussy und Poulenc, liegen bereits 15 Jahre zurück, gehören neben den Aufnahmen von Sandrine Piau aber zu den herausragenden Recitals in diesem Repertoire.
Jetzt hat die Sopranistin 24 Lieder von Ernest Chausson, Henri Duparc und Reynaldo Hahn zu einem Bouquet zusammengebunden – Komponisten, die zwar im Schatten von Debussy und Ravel stehen, die als Kleinmeister abzutun aber weder ihrer liedgeschichtlichen Bedeutung noch ihrer musikalischen Qualität gerecht wird. Insbesondere die Lieder von Hahn, darunter fünf historisierende Pastiches aus den 1900 veröffentlichten «Études latines», sind faszinierende Beispiele eines gleichermaßen schlichten wie artistischen Umgangs mit den Stilmodellen der damals gerade wiederentdeckten Barockmusik. Gens singt sie, im Ausdruck ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 21
von Uwe Schweikert
Franz Schmidts oratorisches Hauptwerk, «Das Buch mit sieben Siegeln», hat seinem Namen oft alle Ehre gemacht. Lieblings- und Problemstück in einem, wurde es früher gern mit Mozart-Tenören besetzt, die dieser Johannes-Passion eine lyrische Fragilität und enorme Subtilität abgewannen. So in dem legendären Salzburger Live-Mitschnitt mit Anton Dermota (1959 unter...
Eine Schnellstreckenstunde nur liegen sie auseinander, die Bayerische Staatsoper und das zweitgrößte Haus des Landes, das Staatstheater Nürnberg. Dank Deutscher Bahn sind sie zusammengerückt – nun auch in Repertoirefragen. «Ring», «Zauberflöte», solche Dopplungen ergeben sich quasi von selbst. In dieser Saison pflegen beide Häuser zudem fast zeitgleich zwei...
Ich muss eine Rolle im Kopf und im Körper spüren, um mich reif dafür zu fühlen», äußerte Vesselina Kasarova einmal im Gespräch. Deswegen wollte sie nie von unten an der Decke des von ihr gewählten Faches kratzen, sondern souverän auf dessen Boden stehen. Lange hat sie sich daher auf das Belcanto-Repertoire konzentriert. Erst relativ spät kamen lyrische und...
