Von der Leichtigkeit des unerträglichen Seins
Wenn die Unterwelt ihre Furien ausspuckt, die Erde zittert und der Himmel grollt, dann hat die Musik ihren großen Auftritt. Sie erledigt solche Ereignisse in wenigen Takten, meist sogar in wenigen Sekunden. Doch solche Sekunden haben es in sich. Da sackt plötzlich jede metrische Ordnung weg, und die Streichinstrumente donnern wuchtig, als wollten sie den Schlägen der Pauke Konkurrenz machen. Ein andermal spielen die Geigen rasende Läufe, die auf Akkorde krachen wie ein Blitz auf den Horizont. Das Cembalo schraubt derweil die Harmonien in immer schrägere Regionen.
Während die Musik stürmt, stutzt und staunt man: Was für eine Kraft, was für ein Kalkül, was für ein Komponist!
Bekannt wurde der Mann als Genie der Gambe. Viele hundert Stücke hat er für dieses Instrument geschrieben, Spieltechniken und Saiten erweitert. Die Gambe war für ihn dasselbe wie das Klavier für Chopin: Es geht um die Intimissimi musikalischer Tagebücher genauso wie um schiere Virtuosität und manchmal auch ein bisschen um pädagogisches Weitertreiben überkommener Möglichkeiten. Marin Marais gehörte ab 1676 zu Lullys Orchester an der Pariser Opéra. Von Lully lernte er das Komponieren und das Dirigieren. Erst ...
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Skandale lassen sich nicht reproduzieren. Das hatte Joachim Herz wohl auch nicht im Sinn, als er 1977 bei seiner Berliner Inszenierung von Brecht/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Komischen Oper einen «Mann, der damals schon dabei war» in das Personal einschleuste. Man kann in dieser Maßnahme einen nostalgischen «Blick zurück» sehen, kann sie...
Während in Deutschland Winterstürme tobten, fand in Barcelona bei Temperaturen über zwanzig Grad zum 44. Mal ein Gesangswettbewerb statt, der den Namen des bedeutenden katalanischen Tenors Francesc (Francisco) Viñas trägt – einem Sänger, der nicht nur in der Heimat, sondern auch an der Metropolitan Opera als Nachfolger Gayarres galt und sowohl in der italienischen...
Im Wiesbadener Publikum fährt der Adrenalinspiegel hoch: Mit großem Gepolter kracht ein Obelisk durch die Pyramidenwände der Bühne. Nieder mit Ägypten: Das Heer des Julius Cäsar seilt sich schwindelfrei vom Bühnenturm ab. Große Geschütze also für die populärste aller Händel-Opern? Zum Glück nicht. Der eröffnende Donnerschlag war schon der gröbste. Der Rest ist,...
