Von der Leichtigkeit des unerträglichen Seins

Frankreich I: Vielfalt und vergessene Stücke «Sémélé» von Marin ­Marais, dem Genie der Gambe, kommt erstmals seit 1709 in Montpellier auf die Bühne. ­Marseille testet mit «Colombe» von Jean-Michel Damase die gute alte Literaturoper. Peter Stein versucht in Lyon einen «Eugen Onegin» aus Puschkins Geist, und St. Etienne zeigt ­«Lakmé» als knallbunten Clash der Kulturen.

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Wenn die Unterwelt ihre Fu­rien ausspuckt, die Erde zittert und der Himmel grollt, dann hat die Musik ihren großen Auftritt. Sie erledigt solche Ereignisse in wenigen Takten, meist sogar in wenigen Sekunden. Doch solche Sekunden haben es in sich. Da sackt plötzlich jede metrische Ordnung weg, und die Streichinstrumente donnern wuchtig, als wollten sie den Schlägen der Pauke Konkurrenz machen. Ein andermal spielen die Geigen rasende Läufe, die auf Akkorde krachen wie ein Blitz auf den Horizont. Das Cembalo schraubt derweil die Harmo­nien in immer schrägere Regionen.

Wäh­rend die Musik stürmt, stutzt und staunt man: Was für eine Kraft, was für ein Kalkül, was für ein Komponist!
Bekannt wurde der Mann als Genie der Gambe. Viele hundert Stücke hat er für dieses Instrument geschrieben, Spiel­techniken und Saiten erweitert. Die Gambe war für ihn dasselbe wie das Klavier für Chopin: Es geht um die Intimissimi musikalischer Tagebücher genauso wie um schiere Virtuosität und manchmal auch ein bisschen um päda­gogisches Weitertreiben überkommener Möglichkeiten. Marin Marais gehörte ab 1676 zu Lullys Orchester an der Pariser Opéra. Von Lully lernte er das Komponieren und das Dirigieren. Erst ...

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Opernwelt März 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Vergriffen
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