Von allem zu viel
Irgendwo in der amerikanischen Spießbürgerhölle: Claire, Lehrerin, Ehefrau, Mutter und mitten in der Midlife-Crisis, hört immer öfter ein quälendes, tiefes Summen: «The Hum», ein reales Phänomen, Anlass für zahllose (Verschwörungs-)Theorien – nun Ausgangspunkt für die Uraufführung von «The Listeners», die das Osloer Opernhaus zusammen mit den Kompanien in Chicago und Philadelphia in Auftrag gegeben hat.
Die weitere Geschichte ist schnell erzählt: Im Internet-Zeitalter finden die «Hum»-Leidenden schnell zusammen, die Community stellt sich als Sekte heraus («The Listeners»), und das Geschehen ufert in alle Richtungen aus. Die New Yorker Komponistin Missy Mazzoli und ihr Librettist Royce Vavrek wollten ein vieldeutiges Gewebe schaffen – das Ergebnis erinnert dann aber doch eher an die Werbung einer amerikanischen Eismarke, deren Geheimrezept darin besteht, «von allem zu viel» zu bieten. Eigentlich wäre allein Claires Leiden mit allen psychischen wie gesellschaftlichen Konsequenzen ein interessantes Thema. Obendrauf gepackt wird nun aber die Gruppenpsychologie der Sekte, Machtmissbrauch auf mehreren Ebenen, die klassische Heldinnen-Geschichte (hier politisch korrekt in der Version ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Stephan Knies
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die...
Anfangs macht Jeanne noch vergnügt Selfies mit ihrem neuen Verehrer, dem Maler René: Dessen Operettentenor-Emphase findet sie süß. Dann lebt sie in jungem Glück mit ihm in einer Mansarde, verprasst jedoch bald das karge Haushaltsgeld. Nach der Trennung landet sie als Sängerin beim Varieté, wo sie mit Mühe einer Vergewaltigung entgeht, bevor ein reicher Galan sie...
Herr Schager, inwiefern genießen Sie es, wenn Sie eine Mörderpartie wie den Siegfried singen?
Wenn ich gesund bin, wenn alles klappt, genieße ich es tatsächlich sehr. Da gibt es immer wieder Momente, in denen man merkt: Jetzt ist man eins mit dem Publikum. Jetzt habe ich sie alle. Jetzt kommunizieren wir miteinander. Ganz merkwürdig ist das. Wenn man solche Momente...
