Ménage-à-trois
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die Nazis aus dem Land getrieben und seine Werke von den Bühnen verbannt.
In den USA stellte Korngold sein Talent in die Dienste der «Traumfabrik Hollywood» und verlieh damit der Entwicklung der Filmmusik entscheidende Impulse. Nach dem Krieg vermochte er an seinen Anfangserfolg nicht wieder anzuknüpfen: «Die tote Stadt» blieb sein einziger Coup. Für ein mittleres Haus wie das Staatstheater Meiningen bildet diese opulente Oper eine gewaltige Herausforderung. Doch allein musikalisch war die Neuproduktion ein Wurf. Die Hofkapelle Meiningen lief unter Leitung von Chin-Chao Lin zu Hochform auf. Das Ensemble, angeführt vom grandiosen Charles Workman als (Gast-)Paul und dem hauseigenen Star Lena Kutzner als Marietta, war durchweg handverlesen. Tomasz Wija (Frank) und Tamta Tarielashvili (Brigitta) überzeugten, während Johannes ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Joachim Lange
Mögen sie einander auch in noch so intimer Abneigung verbunden sein: Ein Duell unter Edelmännern setzt die Wahl der gleichen Waffen voraus. Das gilt im wahren Leben wie in der Kunst. Also lässt Giorgio Battistelli für «Orazi e Curiazi», jene Kostbarkeit des Instrumentalen Theaters, zwei Schlagzeuger aufeinandertreffen, deren perkussives Instrumentarium nahezu...
Das Wasser ist allgegenwärtig: In kräuselnden Wellen türmt es sich majestätisch während der Ouvertüre auf einer transparenten Projektionsfläche. Später schwappt es bedrohlich an die Bullaugen des Schiffs «Conqueror Cruises», auf dessen Deck und Unterdeck das Geschehen abläuft, dann wieder glitzert es als spiegelnde Fläche friedlich im Mondlicht. Wasser ist das...
Wer als Jugendlicher begeistert Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» in einer Aufführung oder als Videomitschnitt erlebt hat, der spürt vielleicht noch die damalige Enttäuschung, die im Zeichen der Hörrezeption des Nachfolgebühnenwerks des österreichischen Großtalents auf ihn einprasselte: «Der Diktator» (1926), unmittelbar nach dem «Jonny» entstanden, klingt spröde,...
