Ménage-à-trois
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die Nazis aus dem Land getrieben und seine Werke von den Bühnen verbannt.
In den USA stellte Korngold sein Talent in die Dienste der «Traumfabrik Hollywood» und verlieh damit der Entwicklung der Filmmusik entscheidende Impulse. Nach dem Krieg vermochte er an seinen Anfangserfolg nicht wieder anzuknüpfen: «Die tote Stadt» blieb sein einziger Coup. Für ein mittleres Haus wie das Staatstheater Meiningen bildet diese opulente Oper eine gewaltige Herausforderung. Doch allein musikalisch war die Neuproduktion ein Wurf. Die Hofkapelle Meiningen lief unter Leitung von Chin-Chao Lin zu Hochform auf. Das Ensemble, angeführt vom grandiosen Charles Workman als (Gast-)Paul und dem hauseigenen Star Lena Kutzner als Marietta, war durchweg handverlesen. Tomasz Wija (Frank) und Tamta Tarielashvili (Brigitta) überzeugten, während Johannes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Joachim Lange
Alpha
06.11. – 21:45 Uhr
Leonidas Kavakos spielt Beethoven Leonidas Kavakos gehört zur Weltspitze der Violinisten. Man rühmt seine makellose Technik, sein tiefgründiges musikalisches Verständnis, seine einzigartige Klangqualität und sein höchst virtuoses Spielniveau. Der vielfach gefragte italienische Pianist Enrico Pace teilt mit Kavakos, neben seiner Arbeit mit...
Vielleicht funktioniert er doch, der Weg, den Andreas Homoki, der Intendant der Oper Zürich, für die Inszenierung von Richard Wagners «Ring des Nibelungen» an seinem Haus eingeschlagen hat. Nicht ein weiterer Deutungsversuch der Tetralogie, nicht eine neuerliche Transposition der Geschichte in eine Lebenswelt, die uns näher scheint als jene der Vorlage, möchte man...
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um...
