Lustsänger
Herr Schager, inwiefern genießen Sie es, wenn Sie eine Mörderpartie wie den Siegfried singen?
Wenn ich gesund bin, wenn alles klappt, genieße ich es tatsächlich sehr. Da gibt es immer wieder Momente, in denen man merkt: Jetzt ist man eins mit dem Publikum. Jetzt habe ich sie alle. Jetzt kommunizieren wir miteinander. Ganz merkwürdig ist das. Wenn man solche Momente zwei-, dreimal an einem Abend erlebt – dann ist das eine erfüllte Vorstellung.
Also drücken Sie vom Ausdruck her drauf, wenn Sie merken, dass das Publikum nicht ganz bei Ihnen ist?
Es passiert so viel Unbewusstes beim Singen. Man kann in Wahrheit über Sachen nicht mehr nachdenken, wenn sie gerade geschehen. Das ist wie bei einem Rennpferd, das einfach läuft. Es gibt tausend Dinge, auf die man sich konzentrieren muss. Das betrifft die Inszenierung, Kollegen, das Orchester, Licht und so weiter. Da kommt einem gar nicht der Gedanke, wie man sich das Publikum holen könnte.
Wenn man Sie auf der Bühne erlebt, könnte man denken: ein «Lustsänger».
Das nehme ich mal als Kompliment.
Sie sagten einmal, dass Sie immer weniger Kraft fürs Singen brauchen. Wie ist das zu verstehen?
Meine Theorie des Singens ist: Stimme hat ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Interview, Seite 58
von Markus Thiel
Ein Wald, ein Haus, ein Schwert, das steckt im Baum.
Ein Fremdling tritt herein – und sieht Sieglinde,
Die Hundings Frau ist – und die schon als Kinde
Von Siegmund einst getrennt ward – und die kaum
Kapiert, dass er ihr Bruder ist und alsbald
Sieglinde freit, sie spielen Frau und Mann –
Und daraufhin das Schwert befreit vom Stamm
Und sagt, dass er nun Siegmund...
Wer als Jugendlicher begeistert Ernst Kreneks «Jonny spielt auf» in einer Aufführung oder als Videomitschnitt erlebt hat, der spürt vielleicht noch die damalige Enttäuschung, die im Zeichen der Hörrezeption des Nachfolgebühnenwerks des österreichischen Großtalents auf ihn einprasselte: «Der Diktator» (1926), unmittelbar nach dem «Jonny» entstanden, klingt spröde,...
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