Lustsänger

Mitunter sind die Wege zur Spitze verschlungen. Wie beispielsweise im Fall von Andreas Schager. Bevor er die schweren Wagner-Jungs sang, war er im lyrischen Fach und in der Operette unterwegs. Heute ist er aus einem «Ring» an einem großen Haus kaum mehr wegzudenken. Ein Gespräch über Emotionen, hohe Töne,(zu) laute Orchester und Blumendünger

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Herr Schager, inwiefern genießen Sie es, wenn Sie eine Mörderpartie wie den Siegfried singen?
Wenn ich gesund bin, wenn alles klappt, genieße ich es tatsächlich sehr. Da gibt es immer wieder Momente, in denen man merkt: Jetzt ist man eins mit dem Publikum. Jetzt habe ich sie alle. Jetzt kommunizieren wir miteinander. Ganz merkwürdig ist das. Wenn man solche Momente zwei-, dreimal an einem Abend erlebt – dann ist das eine erfüllte Vorstellung.

 

Also drücken Sie vom Ausdruck her drauf, wenn Sie merken, dass das Publikum nicht ganz bei Ihnen ist?
Es passiert so viel Unbewusstes beim Singen. Man kann in Wahrheit über Sachen nicht mehr nachdenken, wenn sie gerade geschehen. Das ist wie bei einem Rennpferd, das einfach läuft. Es gibt tausend Dinge, auf die man sich konzentrieren muss. Das betrifft die Inszenierung, Kollegen, das Orchester, Licht und so weiter. Da kommt einem gar nicht der Gedanke, wie man sich das Publikum holen könnte. 

Wenn man Sie auf der Bühne erlebt, könnte man denken: ein «Lustsänger».
Das nehme ich mal als Kompliment. 

Sie sagten einmal, dass Sie immer weniger Kraft fürs Singen brauchen. Wie ist das zu verstehen?
Meine Theorie des Singens ist: Stimme hat ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Interview, Seite 58
von Markus Thiel

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