Höchstens amüsant
Anfangs macht Jeanne noch vergnügt Selfies mit ihrem neuen Verehrer, dem Maler René: Dessen Operettentenor-Emphase findet sie süß. Dann lebt sie in jungem Glück mit ihm in einer Mansarde, verprasst jedoch bald das karge Haushaltsgeld. Nach der Trennung landet sie als Sängerin beim Varieté, wo sie mit Mühe einer Vergewaltigung entgeht, bevor ein reicher Galan sie für seine amourös-politischen Zwecke auswählt und gezielt aufbaut.
Nun bekommt sie eine Tournüre umgeschnallt und einen Fächer in die Hand gedrückt – um bei einer Art Late-Night-Show in eigener Sache von König Ludwig XV. persönlich als dessen neue Mätresse gecastet zu werden. Eine Palastintrige soll sie aus dieser einflussreichen Position wieder kippen, Konkurrent René erneuert seine Liebesschwüre – aber sie entscheidet sich für den König. Happy End? Im fidelen Schlussensemble fallen Jakobiner über sie her: Marie-Jeanne Bécu, verehelichte Comtesse du Barry, wurde 1793 durch die Guillotine hingerichtet.
Carl Millöckers 1879 in Wien uraufgeführter Operette «Gräfin Dubarry« hatte schon Theo Mackeben 1931 für Berlin unter dem Titel «Die Dubarry» ein tiefgreifendes Lifting im Stil seiner Zeit verpasst: Schmiss und Kessheit ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Walter Weidringer
Die Welt nach Erath ist eine Scheibe, und ungefähr neun Zehntel davon gehören dem Orchester. Die Szene – immerhin ist die Geschichte des Untergangs von Troja und danach die von Liebe und Verrat in Karthago zu erzählen – findet fast ausschließlich auf dem schmalen Randstreifen statt. Daneben ist auf der einen Seite gerade noch Platz für jene sechs Harfen, die...
Man schrieb das Jahr 1996 an der Adria. Juan Diego Flórez, eigentlich für eine kleine Rolle vorgesehen, übernahm die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran». Und ebnete sich damit den Weg auf die großen Bühnen der Welt. Auch in diesem Jahr war Flórez beim Rossini Opera Festival in Pesaro zu hören, in der Titelrolle von «Le comte Ory», den Gioachino Rossini...
Melanie Unseld, Musikwissenschaftsprofessorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, beginnt ihr Buch «Musikgeschichte ‹Klassik›» – klassisch. Und zwar mit einer Problematisierung des «Klassik»-Begriffs, ganz im Sinne von Musikgeschichtskapazitäten wie Carl Dahlhaus und anderen. Das hat zunächst etwas von der Steifheit und Hermetik einer...
