Vom Sehnen verwehrt
Zart schwebt die Musik durch den Raum: «One charming night», eine der berühmtesten Arien aus «The Fairy Queen». Doch plötzlich stampft das Orchester in wilden Rockrhythmen los. Aber es zerstört Purcells Poesie nicht ganz, holt sie nur auf die Erde zurück, füllt die Körperlosigkeit mit Fleisch. Solche Wechselwirkungen gibt es oft in Helmut Oehrings 2013 in Berlin uraufgeführtem «Aschemond oder The Fairy Queen».
Auf unakademische, spontane, manchmal auch ruppige Art reagiert Oehring auf Purcells Komposition und schafft so eine spannungsreich-unvorhersehbare Partitur, die weniger Überschreibung ist als Wechsel aus Anschmiegen und Abstoßen.
Die Oper Wuppertal meldet sich nach zwei trüben Jahren ohne eigenes Ensemble gerade ziemlich spektakulär zurück. Dass ein Stück wie «Aschemond» hier überhaupt aufgeführt werden kann, ist fast schon eine Sensation. Zumal neben dem Orchester ein Barockensemble verlangt wird, das hier weitgehend aus Mitgliedern der Wuppertaler Sinfoniker besteht. Dazu kommen zwei Musiker (als halbes Continuo und Bindeglied zwischen den Klangkörpern) und eine Menge vorproduzierter elektronischer Einspielungen. Angekündigt ist der Abend als «Teiluraufführung». ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Stefan Keim
Je älter er werde, so hat Dmitri Hvorostovsky einmal bekannt, desto näher fühle er sich Russland. Tiefer wolle er eintauchen in die Opernpartien seiner Heimat, zu einem Experten werden. Auch diese CD sollte den Weg dahin bahnen. Doch ob es jemals zu Engagements kommt? Ein Hirntumor zwang Hvorostovsky bekanntlich zum Rückzug von der Opernbühne, eine «Pause» sollte...
Die Frau hat keinen Namen. Aber einen Traum. Langmann, ein bankrotter Impresario, soll ihn auf die Bühne bringen. Mit ihr selbst als Hauptfigur und den Leuten von Santa María, ohne Zuschauer. Das ist ihr einziges, ihr ganzes Glück. Ausgedacht hat sich diese Geschichte («Un sueño realizado») Juan Carlos Onetti (1909-1994), der andere Vater des «magischen Realismus»....
Am Anfang die Stille. Menschentiere, keine Sensationen, weder Klang noch Dynamik, stattdessen: Erstarrung. Auch der Ort selbst, ein Laboratorium ungenutzter magischer Möglichkeiten, scheint wie verwaist. Tische, Stühle, ein Sprungbrett, Bilder und Rahmen, unbelebte Materie; hinten ein Käfig mit mehreren Vorhängen. In diese Wartehalle der Vergeblichkeit schiebt nun...
