Sentimental Journey

Eine CD-Kompilation würdigt das kompositorische Schaffen Leonard Bernsteins

Opernwelt - Logo

Der Witz ist Legende, in vielen Varianten erzählt. Wir nehmen mal diese: Auf einer Wolke sitzen die Pultgötter Böhm, Bernstein und Karajan. Böhm erzählt, er habe geträumt, ihm sei ein Engel erschienen und habe ihm versichert, er, Karl Böhm, sei der größte Dirigent. Daraufhin erwidert Bernstein, das sei doch sehr interessant – aber in derselben Nacht sei Gott vor ihn hingetreten mit den Worten, er, Leonard Bernstein, sei der größte Dirigent. Böhm schluckt, Bernstein feixt, da erhebt Herbert von Karajan donnernd seine Stimme: «Ich habe nichts dergleichen gesagt.

»

Stunden-, tage- und nächtelang ließe sich darüber philosophieren, wer von diesen drei bedeutenden Dirigenten wahrhaftig der bedeutendste gewesen sei; sagen wir es so: Sie hatten alle ihre Stärken und Schwächen. Eines aber ist gewiss: Als Komponist reüssierte nur einer von ihnen. Leonard Bernstein hinterließ ein relativ schmales, gleichwohl reichhaltiges Œuvre, aus dem gewiss die Musicals herausragen, das aber auch in anderen Gattungen (Lied, Oratorium, Symphonie) durchaus einige Preziosen beherbergt. Dennoch hat sich die Musikwelt (wie ebenfalls im Fall Furtwängler) stets schwergetan, die kompositorische Begabung dieses in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Surreales Comic-Welttheater

Die «Tri sestri» von Peter Eötvös, Kurt Weills «Street Scene», Antoine Mariottes «Salome», 2014 in der «Opernwelt»-Umfrage zur «Wiederentdeckung des Jahres» gekürt: Brocken aus den Randzonen des Repertoires sind das, die das Münchner Rundfunkorchester, meist gelotst von seinem bald scheidenden Chef Ulf Schirmer, mit der Theaterakademie August Everding gestemmt hat....

Vorwärts in die Vergangenheit

Robert Zemeckis Filmtrilogie «Back to the future» aus den 1980er-Jahren vermittelte ein melancholisches Gefühl der Heimatlosigkeit. Die Streifen spielten mit dem durch Zeitreisen verursachten Paradoxon: mit der zur Vergangenheit gewordenen Zukunft und einem Protagonisten, der sich zurückwünscht, um das Unwiderrufliche zu widerrufen. In weit realistischerem und...

Die höchsten der Gefühle

Geliebt wird man nur, wenn man Schwäche zeigen darf. Nicolai Gedda zeigte Schwäche bei einem Liederabend in der Hamburger Oper, den er im Herbst seiner Karriere gab. Im Herbst? Es war am 19. Januar 1998, er war 72 Jahre alt. Am Ende des ersten Teils mit Liedern von Richard Strauss hatte er gegen einen «Frosch  im Hals» kämpfen müssen. Nach der Pause, nun mit...